Spital Geschichten von den Lion Mountains

“Weniger Drama als in 2016”, war Monika’s und mein Neujahrsvorsatz fuer 2017. Na, 10 Tage ins neue Jahr lag ich zuhause am Boden mit schlimmsten Rueckenschmerzen und brauchte 20 Minuten um mich Millimeter fuer Millimeter zurueck zum 2 Meter entfernten Mobiltelefon zu robben. Die Ambulanz des besten Privatspitals in Freetown kam innerhalb von 20 Minuten mit der erloesenden Morphiumspritze, mein Freund Elias und der Schlosser waren auch innerhalb von 15 Minuten da um die Tuer zu oeffnen – die 10 Meter zur Tuere haette ich beim besten Willen nicht geschafft. Ich verbrachte die naechsten drei Wochen liegend und mit gluecklichmachenden Mengen von Opiumhaltigen Schmerzmitteln, bevor in die Schweiz geflogen wurde um meinen Bandscheibenvorfall konservativ zu behandeln. Viele Physiotherapien spaeter und einige glueckliche Wochen zurueck in Sierra Leone kamen die naechsten Schmerzen, diesmal war etwas mit der Niere nicht in Ordnung, ich solle das in der Schweiz mal abklaeren bei einem Spezialisten, wurde mir greaten. Long story short, ich hatte mittlerweile drei vollnarkotisierte Eingriffe im Spital und schreibe auch dieses Email aus dem Spital. Wegen medizinischen Risiken darf ich momentan nicht in Sierra Leone sein, das Risiko fuer lebensgefaehrliche Komplikationen ist zu gross.

Ihr seht, ich hatte gute Gruende, mich so lange nicht mehr zu melden, da ich mit meiner Gesundheit und den ungewollten Unterbruechen meines Lebens in Sierra Leone beschaeftigt war. Bin ich zwar immer noch, aber ich habe gedacht, das waere doch ein gute Zeitpunkt, mal ein paar Spitalgeschichten zu erzaehlen, davon habe ich mittlerweile genug!

Krankenhaus Fakten

Dank meines Arbeitsgebers habe ich eine sehr grosszuegige Krankenversicherung, die mir Zugang zum besten Privatspital in Freetown ermoeglicht. Das kann man aber doch nicht ganz mit unseren Spitaelern vergleichen, der einzige Arzt (ein Nierenspezialist, der meine akute Nierenentzuendung nicht diagnostizieren konnte) ist ein sehr netter und umgaenglicher Typ, schlaegt aber fuer jedes Leiden sofort eine medizinische Evakuierung vor – er kennt seine und Sierra Leone’s Grenzen. Ich war mittlerweile genug oft im Spital (und habe in allen vier Patientenzimmern schon mal geschlafen), dass ich das Personal gut kenne und sie mich auch. So war ich im Maerz wieder einmal da und verbrachte die Wartezeit damit, allen in ihren Bueros und Zimmern Hallo zu sagen. Wieder im Wartezimmer kommt ein Patient auf mich zu und sagt “Sie, ich haette noch ein paar Fragen zu den Unterlagen, die ich fuer meine Behandlung benoetige – Sie arbeiten doch hier, oder?”. Ich habe eindeutig zu viel Zeit im Spital verbracht dieses Jahr!

Being fed delicious Lebanese food and lots of Morphine during my back problem in the hospital in Freetown.

Waehrend meinem Bandscheibenvorfall im Spital in Freetown wurde ich regelmaessig mit leckerem Libanesischem Essen und viel Morphium gefuettert.

Ich habe ausgerechnet: in 2017 habe ich gleich viele Abende im Spital verbracht, wie in Restaurants, und insgesamt 42 Spritzen/Infusionen erhalten. Diese werden besonders in Afrika gerne verteilt, die Regel ist: egal welche Krankheit, damit du wirklich gesund wirst, brauchst du Infusionen und Spritzen, am besten in mehrere Koerperteile. Die Krankenschwestern waren immer sehr freundlich, bis auf eine, die auch nach 20 Minuten herumstechen meine Vene immer noch nicht gefunden hatte. Als ich ihr sagte, das sei jetzt doch etwas unangenehm, meinte sie “so wehleidig kannst du nie ein Kind kriegen, du bist viel zu schwach fuer eine Geburt”. Einen Spruch, den man als kinderlose Frau in Sierra Leone oefters hoeren muss.

 

I might not have a child, but I had a goat! His name was Nyandeyama and he sadly died at my birthday.

Ich bin zwar kinderlos, aber hatte dafuer eine Ziege! Er hiess Nyandeyama und ist leider an meinem Geburtstag gestorben.

Alternative Behandlungen

Alternative Medizin gibt es auch in Sierra Leone, einfach vielleicht noch etwas alternativer als unsere alternative Medizin. So hat mir eine Krankenschwester bei meinem dritten Aufenthalt innerhalb kurzer Zeit beim Spritzen verabreichen geraten, es waere jetzt wirklich an der Zeit, mal ein Huhn zu opfern, das ist ja kein Zustand, dass ich immer so krank sei. Sie koenne mir sonst jemanden empfehlen, mit hoher Erfolgsrate. Oder sie koenne auch ihren Pastor mal herbitten, der betet auch fuer Kranke. Schoen, Alternativen zu haben!

We don't really use chickens for medical treatment - but for Hen's nights! Jayne is starring here with cockerel Nathan.

Fuer medizinische Behandlungen brauche ich Huehner eher weniger, dafuer mehr fuer Junggesellenabschiede/Polterabende, hier Jayne & Hahn im Korb ‘Nathan’.

Mein Spital, meine Informationsquelle

Ich versuche, alle meine Besuche im Spital auch zur Erweiterung meiner Gesundheitsfachkenntnisse zu nutzen, als sogennante “Fieldtrips”, die mir dann bei der Arbeit im Gesundheitsministerium helfen. So erkundige ich mich gerne nach den Kosten fuer Geraete, Eingriffe und Medikamente, und bin echt immer wieder erstaunt, wie gut und wie teuer das Gesundheitssystem in der Schweiz ist. Fuer einen Nierenfunktionstest wird eine Maschine benutzt, die eine Million Schweizerfranken kostet – damit koennen in Sierra Leone 5700 Krankenschwestern fuer ein Jahr bezahlt werden (also 5400 mehr als sie jetzt angestellt haben).

Mit den Krankenschwestern in der Schweiz spreche ich auch gerne ueber meine Arbeit – die sind dann immer gleichzeitig fasziniert und auch froh, in der Schweiz zu sein. Mit einem Monatslohn von CHF 175 ist es auch in Sierra Leone nicht einfach, eine Familie durchzufuettern.

Seit knapp vier Jahren arbeite ich im Gesundheitsministerium in Sierra Leone daran, die Regierung bei der Gesundheitssystemstaerkung zu unterstuetzen. Ich kenne die Nummern, die Fakten, die Theorien, und doch ist es fuer mich immer wieder traurig und schockierend, zu sehen wie inexistent die Gesundheitsversorgung ist. Waere ich Sierra Leonerin, wuerde ich mit dem gleichen Nierenproblem sehr wahrscheinlich vor 35 an Nierenversagen sterben – einfach weil es nicht richtig diagnostiziert und behandelt werden koennte in Sierra Leone.

Women's March in Freetown: affordable care for everyone.

Frauenmarsch in Freetown: zahlbare Krankenversorgung fuer alle!

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Hospital-stories from the Lion Mountains

“Less drama than in 2016”, was Monika’s and my New Year’s resolution for 2017. Ten days into the new year and I was laying on the floor in my house in Freetown with the worst back pains of my life. It took me 20 minutes to move back inch by inch to the mobilephone that laid 2 meters away. The ambulance of the best private hospital in Freetown came within 20 minutes with the relieving morphine injection. Elias came to the rescue and called a welder to break the door – I wasn’t able to move at all, the 10 meters to the door felt like an ocean. The following three weeks were spent laying down and with lots of opium containing painkillers, that kept me happy and hallucinating every now and then. I had to fly back to Switzerland to treat the disc hernia properly and was allowed back after many hours of physiotherapy. Some happy weeks in Salone later, the next set of pains started, this time something was wrong with my kidney. To keep the long story short: I have spent the last three months in Switzerland with several surgeries under full anesthetics and a very slow recovery process.  The risk of life threatening complications was big enough to keep me grounded in Europe!

Well, you see that I have been a bit busy the last few months taking care of my health and dealing with my interrupted life in Salone – apologies for all the silence this created! I thought this might be a good moment though to tell some of my hospital stories…

 

Hospital facts

I have a very generous health insurance, thanks to my employer. That means I can access the most expensive and supposedly best private hospital in Freetown – sounds good, but can’t really be compared to hospitals in Europe. The leading doctor (a kidney specialist who couldn’t diagnose my kidney infection properly) is a very nice and kind man, but recommends medical evacuations for basically any illness – he knows his’ and Sierra Leone’s limitations. Thanks to my regular hospital stays (I have slept in all four patient rooms already), I know the staff and they know me. When I was back in March for another visit and spent my waiting time saying hi to the nurses, I was approached by another patient who waited for his term and he said “Sorry, I have some questions around the documents that I need for my treatment – you work here, nottoso?”. I knew then that I have definitely spent too much time in hospitals this year.

Being fed delicious Lebanese food and lots of Morphine during my back problem in the hospital in Freetown.

Being fed delicious Lebanese food and lots of Morphine during my back problem in the hospital in Freetown.

It made me calculate: I have spent the same number of evenings in hospitals, as in Restaurants in the first five months of 2017. I have also received in total 42 injections – they are liked a lot in Africa, where the rule is: no matter what sickness, to get better, you need as many injections as possible, in as many different body parts as possible. The nurses are all very friendly, apart from one, who after 20 minutes of bloody failures to get my vein was as frustrated as I was. I told her that this is not very comfortable anymore, to what she replied: “pull yourself together, if you can’t take this pain, you will never be strong enough to give birth to a child”. Something that childless women hear every now and then in Salone!

 

I might not have a child, but I had a goat! His name was Nyandeyama and he sadly died at my birthday.

I might not have a child, but I had a goat! His name was Nyandeyama and he sadly died at my birthday.

Alternative medicine

Alternative medicine does exist in Salone as well – just maybe a tad more alternative than our alternative medicine. During my third visit within few weeks, one of the nurses recommended that “it really is time now to sacrifice a chicken, it just isn’t normal that you keep being sick”. She also told me she can recommend someone, with high success rates. Or she can also ask her pastor to come and pray, he also prays for the sick. Nice to have options!

We don't really use chickens for medical treatment - but for Hen's nights! Jayne is starring here with cockerel Nathan.

We don’t really use chickens for medical treatment – but for Hen’s nights! Jayne is starring here with cockerel Nathan.

My hospital, my source of information, my work experience

I am trying to use all my visits in the hospitals to expand my knowledge of health systems, and see them as “field trips” – hopefully helpful in my work at the Ministry of Health. I like asking for costs of equipment, medicines and procedures and it is shocking to realise how expensive the health system in Switzerland is. The machine used for a kidney function test costs one million Swiss franks (about 1.1 million USD) – with that money you could pay 5700 nurses in Salone for a year (therefore hiring 5400 more than what they have now). There have also been lots of interesting discussions with the nurses about my work and Sierra Leone – the nurses in Switzerland are usually fascinated, but also thankful to be working in Switzerland. Even in Salone it isn’t easy to feed a family with an average monthly wage of USD 180, that a nurse earns.

It has been nearly four years now that I have worked in the Ministry of Health in Sierra Leone, working on projects to strengthen the health system. I know the facts, numbers, the theories and reports, but it still hits me at the core how inexistent and incapable the health care is. If I would be a Sierra Leonean with the same kidney problem, I would probably have died before the age of 35 of kidney failure – just because Salone is not able to diagnose and treat it.

Women's March in Freetown: affordable care for everyone.

Women’s March in Freetown: affordable care for everyone.

Lachende Geschichten von den Lion Mountains

 

Es ist als ob ich mich total aus-erzaehlt habe an der African Night im Mai in Weinfelden – danke vielmals fuer die umwerfende Teilnahme! Mein langes Schweigen seit dann, hat aber auch mit meinem neuen Job zu tun. Ich habe eine neue Position angenommen wieder im Gesundheitsministerium, aber mit etwas mehr Verantwortung und damit auch mehr Arbeit. Das heist aber nicht, dass ich nicht weiterhin Geschichten gesammelt habe, die wurden einfach noch nicht aufgeschrieben. Sorry!

Ich habe kuerzlich mein dreijaehriges Jubilaeum in Sierra Leone gefeiert, wer haette gedacht, dass ich mich so verbunden fuehlen wuerde mit diesem einst unbekannten Land! In meinen ersten Monaten in Sierra Leone hatte ich den Eindruck, dass die Bevoelkerung grundsaetzlich optimistisch in die Zukunft schaufe (“alles wird besser”), bis Ebola kam und ein fast zweijaehriges Chaos startete. Seit dem Ende von Ebola ist die Situation weniger rosig, die Aussichten duesterer, der Bevoelkerung geht es schlechter. Der Praesident hat kuerzlich Sparmassnahmen angekuendigt, weil die wirtschaftliche Lage gar nicht gut ist. Diese Massnahmen werden in der Bevoelkerung laecherlich gemacht, zu Recht, sieht man doch weiterhin den Praesidenten jeden Tag zur Arbeit fahren mit seiner 15 Autos langer Karavane, wofuer die Polizei den ganzen Verkehr stoppt. Dabei verschwendet er genuegend Benzin um ein ganzes Haus mit Strom zu versorgen fuer einen Monat. Die lokale Waehrung, der Leone, hat fast die Haelfte seines Wertes verloren – in 2013 habe ich 4000 Leones fuer einen Dollar erhalten, jetzt erhalte ich 7500 Leones fuer den gleichen Dollar! Schrecklich, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaft hauptsaechlich von Importen lebt, die jetzt teurer und teurer werden. Wir koennen also dankbar sein, leben wir nicht mit solch hoher Inflation!

Trotzdem gibt es immer wieder etwas zum lachen in Salone, lies selbst.

LACHENDES STRASSENLEBEN

Einer meiner Lieblingsbeschaeftigungen in Sierra Leone findet auf der Strasse statt: die vielen zufaelligen Begegnungen, lustigen Gespraeche, unerwartete Szenen man sieht auf der Strasse, ist faszinierend. Wenn immer ich einen Spaziergang mache, treffe ich mindestens einen Bekannten oder mache zumindest eine neue Bekanntschaft – das Sozialleben findet auf der Strasse statt. Es fuehlt sich fuer mich an wie in einem Dorf, aehnlich wie Weinfelden, wo ich aufgewachsen bin. Der einzige Unterschied ist, dass Weinfelden 10’000 Einwohner hat und Freetown 2 Millionen. Aus unerklaerlichen Gruenden ist jeder und jede immer unterwegs, die Strasse ist der Treffpunkt!

Ich habe auch staendig das Gefuehl, ich bin inmitten einer Modeshow. Sierra Leoner haben einen unglaublichen Modesinn und auch keinerlei Scham, absolut gewagte Kombinationen zu tragen, die immer irgendwie toll aussehen. Sierra Leoner tragen Socken am Strand, was ich unglaublich cool finde und daher zu einem regelmaessigen Ausflug gemacht habe. Socken am Strand – kann ich nur empfehlen!

 

Street fashion in Freetown

Socks on the beach!

Es sind aber nicht nur Menschen unterwegs, ich habe auch jeden Tag eine unglaubliche Auswahl von Voegeln vor meinem Balkon. Kleine blau schimmernde, grosse graue mit gelben Schnaebeln, Raben, Elstern, es hoert nicht auf. Zwei Spechte leben in meinem Strommasten, die haben sich ein schoenes Loch hineingehaemmert. Sierra Leone ist ein Vogelparadies und Vogellieberhaber kommen extra hierhin zur Vogelbeobachtung. Die Voegel wissen, wo das Paradies ist…

LACHENDES KRIO OEFFNET TUER UND HERZ

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel es hilft, die lokale Sprache Krio zu sprechen. Ich bin im Juni wieder in Salone angekommen mit vollen Koffern und hatte Respekt vor dem Zoellner – man weiss nie genau, welche Gesetze noch erfunden werden. Ich habe mit dem Zoellner auf Krio zu sprechen begonnen, mit meinem besten Laecheln, das er leicht erstaunt erwidert. Es ging so:

Noemi: “Hello sir, aw yu dey do? Aw di bodi?” / Guten Tag, wie geht es Ihnen? Wie laeuft’s?

Customs officer: “Eee Ma, di Krio sound na yu mot. Udat lan yu di Krio so?” / Wow, dein Krio ist fliessend! Wer hat dir das beigebracht?

Noemi: “Ar dey get mi padi dem. Dem bin lan mi smallsmall.” / Ich habe Freunde hier, die haben mir das gelernt.

Customs officer: “Wow, ok, fo di sake of mi brother, go go. Yu na mi sista now.” / Wow, ok! Na dann lass ich dich gehen, meinem Bruder zuliebe. Du bist jetzt meine Schwester!

Noemi: “No wahala, tenki sir!” / Kein Problem und Danke!

Wir sind beide laechelnd weitergegangen, ohne je ueber mein Gepaeck gesprochen zu haben…

 

LACHENDE KRANKENSCHWESTER
Wir haben kuerzlich ein Leistungs basiertes Finanzierungssystem fuer alle Gesundheitskliniken in Sierra Leone beurteilt. Unter anderem wollten wir wissen, wie die Krankenschwestern ihren Patienten Verhuetungsmethoden anbieten und erklaeren, da in Sierra Leone nur 16% aller Frauen irgendeine Art von Verhuetung benutzt. Die beste Andwort kam von Krankenschwester Isatu: “Na, wir sagen normalerweise allen Frauen, die am gebaeren sind, dass diese Art von Schmerzen einfach zu vermeiden sind mit anstaendiger Verhuetung. Das wirkt normalerweise.” Da habe ich keine Zweifel!

 

 

Nurse Isatu at her clinic

 

LUSTIGE SCHWEIZER

Die Abstimmung zum Grundeinkommen hat weite Wellen geschlagen. Regelmaessig triff ich wieder Sierra Leoner, die total erstaunt sind, dass die Schweiz einfach jedem Bewohner Geld geben wollte – und sie staunen dann aber noch mehr, wenn ich ihnen erzaehle, dass genau diese Bewohner gesagt haben, sie wollen dieses Geld nicht! Das Grundeinkommen hat mehr Wellen geschlagen als jegliches anderes Thema aus der Schweiz und ich finde es immer lustig, wie jede und jeder anscheinend davon irgendwie gehoert hat!

Smiling-stories from the Lion Mountains

 

It is as if I told enough stories at the African story telling evening in May 2016 (thanks so much for coming, it was glorious!) in Switzerland that I had to hold on for a while… That is not the only reason though, I have also started working in a new position, managing a team working on improving the health worker situation within the Ministry of Health, which has proven to be a LOT of work and not much time for anything else! However, that doesn’t mean I didn’t collect stories in the last few months, they just had to wait a bit longer than usual to appear in written form. Forgive me!

I have recently celebrated recently celebrated my three year anniversary in Salone – who would have thought I would be enchanted so much by this country to keep staying. My impression over the first few months (before Ebola) was that generally everyone thought things are getting better. Then Ebola came and it was crazy for nearly two years and now, after Ebola, the general atmosphere feels negative – people think things are just going to get worse. The president has announced “austerity” measures, a word that is now mocked everywhere on the streets. No wonder, given that the president still goes to work everyday with his 15 cars caravan, stopping all traffic and burning enough fuel to keep someone’s house electrified for a month. The Leone, the local currency, has lost nearly half its value since I came, which is horrifying to watch. In 2013, I received 4000 Leones for every dollar, now they are giving me 7500 Leones for my dollar. Terrifying, if the whole economy depends largely on imports, which just get more and more expensive. It is horrifying personally, and interesting for me as an economist to experience such high inflation. I guess my English friends understand this feeling a bit, now that the Pound is giving in so much… Sorry oh!

Nevertheless, there is always something to smile about in Salone, read for yourself.

SMILING STREET LIFE

One of my favourite things about Sierra Leone is the life on the street, which you see best when walking from and to places. It is rare that I don’t meet someone I know, or at least make a new friend, while walking outside. It makes me feel like I am living in a village smaller than my hometown – Weinfelden has about 10,000 inhabitants, Freetown has 2 millions. Out of some unexplainable reason, everyone always seems to be out and about and therefore the street is the hotspot!

The other thing I love is the constant feeling that I am watching a fashion show. Sierra Leonean have an incredible sense of fashion and no shame to wear crazy things, that look absolutely fantastic. One of those habits is to wear socks to the beach, which we now copied and turned into a regular socks on the beach outing.

Street fashion in Freetown

Socks on the beach!

Human beings are not the only ones out and about – I also have a bird paradise in front of my balcony, everyday. Pretty small shiny blue birds, big ones with yellow beaks, some of them living in my electricity pole (they picked a nice hole into it), it is absolutely gorgeous to watch them. Sierra Leone boasts of over 2000 different birds and bird watchers come specifically to Salone for that purpose. They know where the party is playing!

SMILING KRIO OPENS DOORS AND HEARTS

It absolutely amazing, how much some knowledge of the local lingua franca, Krio, helps. I arrived back in Salone in June with full bags and was dreading customs – who knows what laws they would come up with! I started talking with the customs officer assigned to me in Krio, smiling my best smile, which he returned positively surprised. It went like this:

Noemi: “Hello sir, aw yu dey do? Aw di bodi?” / Hello sir, how is it going? How are you?

Customs officer: “Eee Ma, di Krio sound na yu mot. Udat lan yu di Krio so?” / Wow, your Krio is great. Who taught you?

Noemi: “Ar dey get mi padi dem. Dem bin lan mi smallsmall.” / Well, I have some friends, they taught me some.

Customs officer: “Wow, ok, fo di sake of mi brother, go go. Yu na mi sista now.” / Wow, ok! For the sake of my brother, you can go. You are my sister now!

Noemi: “No wahala, tenki sir!” / No problem, thanks a lot!

We both left smiling, without having had any conversation around my full bags…

SMILING NURSES DURING LABOUR

In a recent verification of a performance-based-financing scheme we have been administering to all health clinics in the country, we asked nurses how they are promoting family planning, as only 16% of women use any modern family planning methods. The best answer came from Nurse Isatu: “Well, we usually tell the women when they are in labour that they need to take family planning in the future, to avoid such pains. That usually works quite well.” No doubts, very effective sensitization strategy! “You are sick and tired of labour pains? No problem, just take a condom next time!” 🙂

Nurse Isatu at her clinic

Strassen Geschichten von den Löwenbergen

Das Leben in Sierra Leone findet draussen auf der Strasse statt, und man fuehlt sich nie einsam draussen. Ich liebe das pulsierende Gefuehl, die impromptu Gespraeche, der Geruch von Rauch, Essen, Benzin, Schweiss und Parfum gemischt und die kreativen Anmachsprueche (hier eine kleine Auswahl: “Heute ist Internationaler Frauentag, ich muss eine internationale Verabredung haben. Kann ich dich zum Abendessen einladen?” oder “Ich mag dich. Du magst mich. Komm, wir gehen tanzen.” oder “Kann ich deine Nummer haben? Keine Angst, ich bin ein im Ausland lebender Sierra Leoner, ich werde dich nicht oft belaestigen.” oder “Du geniesst das Leben zu sehr, du musst endlich anfangen zu teilen. Ich bin bereit, es mit dir zu geniessen, Baby.”) Ich habe in den letzten Wochen begonnen, kurze Filme von Strassenszenen zu machen, weil das wohl den besten Eindruck von Sierra Leone vermitteln kann. Hier ein paar Geschichten dazu.

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Das Leben findet draussen statt  – Freetown Stadtzentrum

STRASSEN-GEBURTSTAG
Wie ihr sicher wisst, geniesse ich Geburtstagsfeiern sehr, je unterschiedlicher, desto besser (erinnert euch an Geschichten-Email Nummer 11…). Dieses Mal habe ich unter dem Motto “Geburtstag auf der STRASSE” gefeiert. Wir haben mit einem Sonnenuntergangsdrink auf der STRASSE am Strand gestartet, sind dann an die HauptSTRASSE in ein STRASSENrestaurant, das natuerlicherweise zu klein war, weshalb ich dann meine Geburtstagsrede von der STRASSE aus gehalten habe. Anschliessend sind wir an einen STRASSENmarket rund um das nationale Fussballstadium. Um hineinzukommen, musst du ein Eintrittsbillet kaufen, das zwei Meter weiter verrissen und an den Boden geworfen wird. Warum wurden dieses Billet ueberhaupt gedruckt, wenn dessen Lebensspanne gerade mal zwei Meter reicht, bevor sie auf der STRASSE landen?! Immerhin hat es zu meinem Geburtstagsmotto gepasst. 😉
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THANK ZOU JESUS – DANKE JESUS – für schöne Strassen!

KAPRY, KOENIG DER STRASSE
Ich benutze immer noch regelmaessig Okadas, Motorraeder, die importiert wurden von Indien, billig produziert fuer Entwicklungslaender. Bei diesen Okadas versagen die Bremsen regelmaessig, die Gangschaltung funktioniert zwischendurch mal nicht und die Spiegel werden verloren. Bevor mein Okadafahrer also einen Hang hinunter faehrt, frage ich zur Sicherheit nochmals schnell, ob seine Bremsen gerade anstaendig funktionieren, man weiss ja nie, und es ist mir doch schon einmal passiert, dass die Bremsen defekt waren, was dann doch etwas aufregend ist, diese ungestoppte Beschleunigung.
Mein persoenlicher Okadafahrer heisst Kapry, er ist Vizepresident der lokalen Okadafahrer-Vereinigung und sehr zufrieden mit seinem Leben, was ein angenehmer Kontrast ist zu den ueblichen Beschwerden, die man so hoert. Kapry lacht nie, wieso auch, er fragt mich: “Findest du nicht, ich sehe auch ohne Laecheln gut aus?”
Er ist DER puenklichste Sierra Leoner, den ich kenne, und besteht auf regelmaessige Uhrenabgleiche, um sicherzustellen, unsere Uhren zeigen exakt die gleiche Zeit. Wenn ich dann etwas zu spaet bin (und das ist fuer ihn 30 Sekunden und drueber), dann erhalte ich sofort einen Anruf. Ich habe mittlerweile einen schlechten Ruf bei ihm weil ich immer zu spaet bin und er findet ich bin afrikanischer als er.
Als ich gestern von Hill Station nach Hause wieder bei ihm auf dem Okada sass, und er mich durch den drueckenden Verkehr durschlaengelt, immer wieder beschleunigend und abbremsend, dabei fast einen Brotverkauefer auf der Strasse anfaehrt, ein Lastwagen umfahren muss und dabei auf den Fussgaengerstreifen ausweicht, erzaehlt er mir von seinem aelteren Bruder, der seit zwei Wochen vermisst wird. Er verliess das Haus “nur schnell” und kam nicht mehr zurueck, seine Frau und zwei Kinder sind am verzweifeln. Kapry hat alle Polizeistationen abgeklappert, alle Spitaeler und hat nun gestern stundenlang in der Totenhalle Leichen durchsucht. Er ruft mir dieses Geschichte durch seinen Helm und meinen Helm zu, in der Mitte der verkehrsreichen Strasse, und sagt, er ist bereit, seinen Bruder aufzugeben, er ist mehr besorgt ueber seine Schwaegerin, die nun in eine Depression hinein zu rutschen scheint.
Das Leben passiert und wird verarbeitet auf der Strasse, sowohl die guten Zeiten, also auch die schlechten.
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Kapry mit seinem Okada – Motorrad

Und ich bin mir sicher, die Strassen in eurem Quartier sind etwas leerer als hier, ich teile also gerne etwas: Downtown.

Street stories from the Lion Mountains

Life in Sierra Leone happens on the street, and you will never feel lonely outside. I love the buzzing, the chitchatting, the smells of smoke, fuel, food, sweat and perfume all mixed up, and the random pickup lines you hear (some of my recent favourites: “Today is International Women’s Day, I need an international date. Can I take you out?” or “I like you. You like me. Let’s go out.” or “Can I have your number? Don’t worry, I am diaspora Sierra Leonean, I will not bother you much.” or “You enjoy life too much, you need to start sharing that enjoyment. I am ready to enjoy with you, baby.”). I recently started collecting short movies of street scenes, as I think streets give you the best impression of life here in Salone – and there is so much great people watching to do! Here are some written stories.
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Life happens on the street – downtown Freetown

BIRTHDAY ON THE STREETS
As you might be aware, I enjoy celebrating birthdays (remember story email no 11…), preferably different every year. This time the theme was “on the STREETS” and we started with a sunset drink on the STREET at the beach, went on to have dinner in a Senegalese STREET restaurant, where the space was too small to fit us all, we shared chairs and I ended up standing half on the STREET to give my birthday speech. We then went on to the trade fair which was happening on the STREET around the national stadium. To enter, you buy a ticket, which is then again taken away from you two meters ahead, ripped apart and thrown on the ground. Why even bother printing those tickets, if their lifetime is about 1 minute before ending up on the STREET?! But you can imagine, it was fitting for my birthday theme ;).
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THANK YOU JESUS – for nice roads?!

KAPRY, KING OF THE STREETS
Since I still do not have my car back from my mechanic who had an accident with it (a different story that fills a whole email in itself), I keep using Okadas, motorbikes, imported from India, produced as cheaply as possible so that it is affordable in developing countries, but that also means that breaks fail regularly, gears sometimes get stuck and mirrors get lost all the time. Before my okada rider goes down a hill, I normally ask about their breaks quickly, just to be sure, because it has happened before that the breaks were actually broken. A very nerve-racking experience, going down hill with broken breaks.
My personal bike rider is called Kapry, he is the vice-chairman of the local okada bike rider association and he is very content with his life, which is a nice change to the usual “ah this is bad in my life and this is not working andandand”. He also is the man who never smiles, not even when I ask him to: “why should I smile, you don’t think I look fine without smiling?”. Kapry is THE one most punctual Sierra Leonean I have met, he would call me if I am 30 seconds late and he insists on doing phone-time-checks, making sure our phones show the same time, so that we both are on time for pickups. I have got a really bad reputation with him for being notoriously late, making me feel more African than he is.
On our last bike ride, he told me about his oldest brother, who went missing two weeks ago. He just left the house “quickly” and never came back, leaving his wife and two children in total agony about his whereabouts. Kapry has checked all police stations and hospitals in the area and spent yesterday at the mortuary, looking at dead bodies for hours. He shouts over to me all this information through his helmet and through my helmet, while speeding on through evening traffic, making us nearly hit a breadseller on the street, cruising on the pedestrian way around a big truck blocking the road, telling me about how his brother’s wife is having mental issues now and how he is ready to give up on his brother, just keep on living. Life is happening and being processed on the street, the good side of life and the bad one.
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Kapry on his okada – motorbike

And I know that the streets in your countries are much more likely to be rather empty, so you might enjoy this insight.

Ueberlebens-geschichten von den Loewen-Bergen

“ueberleben” hat eine ganz andere Bedeutung in einem Land, wo Leute taeglich und urploetzlich sterben, die Lebenserwartung halb so hoch ist wie in Europa und unbekannte Gefahren lauern in jeder Moskito, hinter jeder Strassenecke und in jedem Tropfen Hahnenwasser. “Ueberleben” hat auch ganz eine andere Bedeutung am Arbeitsplatz, wo es kein funktionierendes System gibt, man taeglich auf Eierschalen laeuft im Versuch die Interessen des Chefs, der Bevoelkerung und meine eigenen zu balancieren, wo es keine Elektrizitaet, ultralangsames Internet und keine Toilettenspuelung gibt, und wenn es regnet, dann ueberflutet dein Buero. Meine Schwester hat mir gesagt, sie hat den Eindruck dass mein Leben hier voller nie-endenden Dramen ist. Das stimmt, aber hat auch dazu gefuehrt, dass ich mittlerweile, nach zwei Jahren eine Ueberlebensexpertin bin. Ich arbeite nun am naechsten Schritt: nicht nur ueberleben, sondern auch aufzubluehen im mitten des Chaos!
Hier ein paar meiner unzaehligen Geschichten zum Ueberleben in Sierra Leone.

PISS PISS

Einer meiner ausgefallensten Freundinnen hier ist Theresa. Sie ist eine Sierra Leonerin in den Vierzigern und fuehrt ihren kleinen Laden direkt an der Hauptstrasse, in meiner Nachbarschaft. Ich gehen oft vorbei und sitze auf der Strasse, trinke ein lauwarmes Bier oder Wasser und diskutier mit ihr Gott, Liebe und die Welt. Eines warmen Samstagnachmittags, wir diskutieren gerade die Eifersucht von Sierra Leoner, als ich den Drang verspuehre, mich zu erleichtern. Ich frage Theresa nach der Toilette, worauf sie mich grinsend hinter den Laden fuehrt und jeden informiert, dass Naomi sich erleichtern muss (das haette mich wirklich warnen sollen). Hinter dem Laden sitzen zehn Frauen bei einer halb-offenen Tuere, die mich ebenfalls grinsend begruessen – eine weisse Frau die hier pissen muss, das ist eine kleine Sensation. Theresa zeigt zur halb-offenen Tuere und sagt mir, ich kann dahinter gehen. Hinter der Tuere ist absolut NICHTS – kein Dach, keine Toilette, kein fliessendes Wasser (geschweige denn Toilettenpapier), kein Loch, keine grafische Darstellung, die mir zeigen wuerde wie und wo ich pissen soll und auch kein Sichtschutz zur Hauptstrasse. Waehrenddem ich mich zu orientieren versuche, und jegliche Gedanken an vorherige Besucher dieser “Toilette” ausblende, Theresa kommt hinein und hockt neben mir. Wenigstens trage ich einen Rock, was es etwas einfacher macht und etwas Sichtschutz bietet und Theresa beginnt mir zu sagen, ich soll “pissen, pissen”, einfach nur “piss! Piss”. In ihrem Gesicht sehe ich sichtbaren Stolz, dass sie mit einer weissen Frau zusammen pisst –  wahrscheinlich das erste mal fuer sie (und auch das letzte mal…). Und ja, fragt erst gar nicht nach Haende waschen oder so! 😉

Die traurige Seite der Geschichte ist, dass die Mehrheit von Sierra Leone in aehnlichen sanitaeren Umstaenden lebt. Kein Wunder sind Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Ebola allgegenwaertig.

SCHLAGANFALL PANIK

Eines Morgens schlief mir ploetzlich mein linker Arm ein. Es wurde etwas besser und dann wieder schlechter, aber ich dachte mir nicht viel dabei. Etwas spaeter ass ich zu Mittag mit einer Freundin, als mir auf einmal auch der rechte Arm, dann beide Fuesse und schlussendlich auch mein Gesicht, inklusive Lippen einschliefen. Ich bin ein grosser Fan von Dr Google und Selbstbehandlung (gerade in Sierra Leone aeussersts hilfreich, zumindest normalerweise) und google daher meine Symptome. Das erste Ergebnis, das auftaucht ist SCHLAGANFALL. Ich google weiter um herauszufinden, ob ich ueberhaupt einen Schlaganfall haben kann in meinem Alter – und natuerlich, es
gibt dutzende von Geschichten von Schlaganfaellen bei jungen Erwachsenen. Meine Freundin und ich sind mittlerweile nahe einer Panik und gehen sofort zum Arzt, der gluecklicherweise gerade auf der anderen Strassenseite ist. Beim Arzt beginne ich zu hyperventilieren und werde schliesslich ohnmaechtig. Der Doktor gibt mir eine Spritze
in meinen Hintern um mich wieder zu den Lebenden zu bringen und macht die notwendigen Tests. Nach einer Weile ist klar, ich habe “nur” Malaria – ich glaube, der Doktor hat noch nie jemanden so gluecklich gesehen mit einer Malaria Diagnose! Alles besser als einen Schlaganfall 😉

UM GNADE BITTEN

Ich war am Auto fahren und wollte einen Freund kurz absetzen. Verkehrsregeln existieren in Sierra Leone, aber werden eher auf einer zufaelligen Fall-zu-Fall basis umgesetzt. Ich dachte mir daher nicht viel dabei, als ich in einem Kreisel (es war ein grosser Kreisel, zu meiner Verteidigung) anhielt und meinen Freund rausspringen liess.
Dummerweise hielt ich DIREKT VOR einer Polizeistation. Der Polizist war mehr als gluecklich, mich wegen Verletzung von Verkehrsregeln fest zunehmen und zur Polizeistation zu begleiten um meine Aussage aufzunehmen. Es war so unglaublich heiss in der Polizeistation, dass ich kaum klar denken kann. Meine Aussage wird aufgenommen waehrenddem ich schweisstropfend auf der Holzbank sitze und von allen angestarrt werde. Ich bin immer noch am ueberlegen, wie ich am besten aus dieser Situation (und diesem heissen Raum) herauskomme, als ein Offizier kommt und mich fragt: “So, Madam, sollen wir Sie vors Gericht zitieren oder bitten Sie um Gnade?” Ich verstehe nicht ganz und er wiederholt: “Sollen wir Sie vors Gericht zitieren oder bitten Sie um Gnade?” Ich verstehe die Logik dahinter nicht ganz und finde, das ist nicht wirklich eine Wahl, aber sage schlussendlich, ich bitte um Gnade. Seine Antwort: “Gnade erteilt, ich wuensche Ihnen einen schoenen Tag, geehrte Frau!” Schnelles Urteil, unglaubliche Gnade! 🙂 ich gehe spaeter vorbei mit einem kleinen Ventilator als Dankeschoen und damit zukuenftige Verbrecher nicht so schwitzen muessen wie ich.

Survival-stories from the Lion Mountains

Dear readers,

“survival” has a whole other meaning in a country where people die randomly and all the time, life expectancy is half of what it is in Europe and there are unknown dangers waiting in every mosquito, behind every corner and in every drop of water. It also literally has a whole other meaning if you want to survive in your work place, where there is no functioning system, you are walking on eggshells everyday trying to juggle your bosses’ interests, your own and what you think the people’s interests are and there is no electricity, super slow internet, the toilet is not flushing and when it rains, your office gets flooded. My sister told me, she has the impression that the dramas in my life here are never-ending. However – living in this environment for two years now, I became an expert in surviving and I am now trying to reach the next level: thriving on top of surviving. Enjoy some of my countless survival stories!

PISS PISS

Theresa is one of my quirkiest friends here. She is a forty-something woman who runs her own small shop, right on the main road and close to my house. I often stop by and chat a bit, drink a lukewarm beer or cider and we chat about God, love and the world. One day and probably one too many drinks, I had to pee urgently and asked her to show me the bathroom. She started grinning (this should have been my first warning sign) and led me away from the shop, telling everyone “Naomi has to ease herself”. You can imagine how red my head turned. She leads me behind the shop somewhere with a half open door and about ten women sitting in front of the door, who obviously all were informed about the white woman who needs to pee. Theresa shuffles me through the door and tells me to piss there. I am lost – behind the door, there is NOTHING. No roof, no toilet, certainly no running water (not even thinking about toilet paper), no sign on where to pee, no hole and also no protection of sight from the main road. While I am trying to orientate myself and not too think too much about how many people might have eased themselves right where I was standing, Theresa comes and JOINS ME. So I am squatting there trying to avoid the main street (so thankful that I was wearing a skirt that day) with Theresa next to me who keeps telling me to “Piss piss”, “piss piss” and being obviously proud that she is pissing together with a white woman. Oh Salone. And yes, do not even ask me about hand washing facilities…

The sad thing about this story is that the sanitary situation of the majority of Sierra Leone is actually exactly like this: non-existent. No wonder diseases like diarrhoea, Cholera and Ebola are thriving.
STROKE PANIC

One morning, my left arm suddenly went numb. It got better and worse again, but I went about my normal business. I was having lunch with a friend when my right arm also got numb, then my feet fell asleep and finally my face and my lips – I didn’t feel the food anymore and had problems talking. Me being a fan of Dr Google and self- treatment, got into high panic when the first diagnosis that came up upon googling my
symptoms was STROKE. I went on to google if I could even have a stroke at my age and came across hundreds of stories of young people unexpectantly having suffered strokes. By that time both me and my friend were close to freaking out and went to see the Doctor, who luckily was just across the street. While they are taking my medical history (a must, especially in times of Ebola), I start hyperventilating and finally faint – all the drama. After an injection in the butt to get me going again and all the medical tests, the Doctor tells me I am having Malaria and he probably hasn’t seen anyone being so happy about having Malaria – at least it wasn’t a stroke!

PLEADING FOR MERCY

I was driving a friend’s car and dropping off someone. Traffic rules in Sierra Leone exist, but are implemented on a more case-by-case basis. I therefore didn’t think a lot, when I stopped in a roundabout (it was a big one, to my defence) and let my friend jump out. Stupidly enough, I did this RIGHT IN FRONT of a police station. The police officer was more than happy to charge me with violation of traffic rules, guide me to the station, let me park my car and have me go inside to give my statement. Inside the police station, it was SO incredibly hot, that I have problems thinking clearly. I give my statement while dropping with sweat and keep thinking about how to get out of this situation (and the hot room). At the end, an officer comes up to me and asks me: “So, Madame, shall we take you to court or do you plead for mercy?” I was confused and he repeated his question: “Shall we take you to court or do you plead for mercy?” I thought that is not really a choice, so said I would rather plead for mercy. His response “Mercy granted, have a nice day, mylady!” Quick justice, amazing grace!
I went back later with a small fan to say thanks and let them cool down the room for any other criminals.

Dark-stories from the Lion Mountains | Dunkle Geschichten von den Löwenbergen

“Dunkle-Geschichten von den Löwenbergen” – Geschichten-Email Nummer 14 von Freetown, Sierra Leone. Einfach kurz melden, falls du diese Geschichten lieber nicht mehr hören möchtest!
 

 “Dark-stories from the Lion Mountains” – story email number 14 from Freetown, Sierra Leone. Just drop me a line, if you’d rather not receive these emails anymore.

Meine lieben,
Mes chères,
My last two months of my time with the Ministry are ahead – happily enough not my last two months in Sierra Leone! Time for another story email.
Meine letzten zwei Monate als Angestellte der Regierung stehen vor mir – glücklicherweise bleibe ich noch etwas länger in Sierra Leone! Zeit für ein paar Geschichten.

BLACK COMPUTERS
Some of my darkest days I experienced at the Ministry. It is the days when you feel like everyone just wants to make money, GREED is like the general slogan of the Ministry and obviously it is these days that the internet is not working and there is no electricity. The last fact turned into a game for me: as soon as electricity goes, I set myself a time – if we do not have power by the end of that set time, I am allowed to go and treat myself to Frozen Yogurt in Gina’s, a lovely coffee place. Obviously, the main reason is to get electricity and internet again… 😉 Strategies to survive working in the Ministry!

SCHWARZE COMPUTER
Meine schlimmsten Tage habe ich normalerweise im Gesundheitsministerium. Es sind die Tage, wo ich das Gefühl habe, alles und jeder dreht sich nur ums Geld, GIER ist das Motto des Ministeriums und natürlich haben wir immer dann auch kein Internet und keinen Strom. Letzteres habe ich mittlerweile in ein Spiel entwickelt: sobald der Strom ausgeht, setze ich eine Deadline. Wenn bis dann der Strom noch nicht zurück ist, erlaub ich mir in ein nettes Café Eis essen gehen. So wird auch der Stromausfall zum Höhepunkt!

BLACK IN HEART
We were in the office the other day when I complained about Europeans and how they come in and think everything just works how it works in Europe. These consultants or visitors or Ebola-workers or whoever also think that I as a white work like a European, even though I work with all Africans in a completely African organisation (you can’t get more national then Government, I suppose). Anyway – I realised after a bit that I am complaining about myself in a way and the Western attitude of “we know it all a bit better than Africans” when I announced that I should probably stop ranting as I am one of those Westerners. My colleague said “no, no, you are one of us: you are black in heart. You are not a real white woman, you are more black.” Do hearts have colours?

SCHWARZES HERZ
Ich habe mich letzthin im Büro aufgeregt über Europäer, die als Kurzzeit Berater nach Sierra Leone kommen und denken, alles sollte so funktionieren wie in Europa. Diese Berater haben dann auch den Eindruck, ich als Europäerin bin ihre beste Bezugsperson und arbeite wie in Europa, jedoch vergessen sie dass ich in einem kompletten afrikanischen Umfeld und System arbeite. Man kann wahrscheinlich nicht sierra leonischer sein als die Regierung! Die Erwartungen klaffen also oft auseinander und die Haltung “Wir wissen es einfach etwas besser als die Afrikaner” nervt mich teilweise. Wie auch immer – nachdem ich mich beschwere bei meinen Teamkollegen, realisiere ich auf einmal dass ich ja auch so eine Europäerin bin. Meine Teamkollegen meinen darauf: “Nein, Naomi, du bist eine von uns, du bist keine richtige Weisse. Dein Herz ist schwarz.” Hat ein Herz eine Farbe?

DARK WHISTLERS
I like whistling. And I do it a lot, also when I am not aware of it. Back in Europe, nobody would ever comment on it. Here, I was surprised to get comments regularly like “oh, so you like whistling?” or “oh Naomi, you know how to whistle!” etc. I was slightly surprised, but didn’t think more. One day, a Sierra Leonean told me about devils and what they believe about them. He said, that there is a devil called “Rouffi” who comes around your house whistling – hence why nobody should be whistling, or they think you are a devil. Wow, what a revelation! Whistling made me a devil here.

DÜSTERE MUSIK
Ich pfeife gerne und oft. Teilweise auch, wenn ich es nicht einmal selbst bemerke. Das wäre nichts auffälliges in Europa – hier jedoch bemerkt das jeder und jede und fragt mich, ob ich gerne pfeiffe oder kommentiert meine Pfeiff-fähigkeiten (die nicht übel sind ;)). Ich war etwas überascht, als ich erfuhr, dass es ein Teufel hier gibt, den man Rouffi nennt. Rouffi kommt zu dir mit einem Pfeiffen – darum sollte/darf niemand pfeiffen. Die denken, ich bin ein Teufel!

DARK COMMENTS
What are the worst comments a woman can get in our culture? Whenever I get back from holidays, I normally get a bright smiling “Welcome back, Naomi! You are FAT! You look beautiful!” straight in my face. The “you look FAT” part of that statement normally gets stuck more and is the best motivation to keep my rigorous “after-holiday” diet. This however was not appreciated by my colleagues who started force-feeding me after telling me: “you are on a diet? But why? You have nothing to lose!” They realised after a while that I kept giving all the food they brought me to our office runners and security guards. Their newest statement is that “Naomi is a very poor eater”. If they would have any idea of how much ice cream I can eat…
 

UNERWÜNSCHTE KOMPLIMENTE
Was ist der schlimmste Kommentar, den eine Frau erhalten kann? Immer wenn ich von Reisen zurück komme, erhalte ich ein lachendes “Willkommen zurück, Naomi! Du bist DICK! Du siehst wunderschön aus!”. Den “du bist dick” teil des Kommentars bleibt mir normalerweise besser in Erinnerung und ist die beste Motivation für eine strikte nach-Ferien-Diät! 😉
Das wiederum wird von meinen Arbeitskollegen nicht gerne gesehen. Die zwangsfüttern mich dann mit dem Kommentar “Du bist auf Diät? Aber wieso? Du hast nichts an dir abzunehmen…” Ich hab mich dann ein paar Mal erfolgreich gegen die Zwangsfütterung gewehrt und der neuste Kommentar ist nun “Naomi ist eine sehr schwache Esserin”. Wenn die nur wüssten, wie viel Glace ich essen kann…

WINTER DAYS
You see: not all dark stories are dark in Sierra Leone. No wonder, the sun is shining way too often for things to be dark. Even though they get darker now: rainy season is here! Which for me means, I am not swimming in the sea or the pool anymore and I walk around in a sweater – with outside temperatures of “mild” 28 degrees Celsius and down to 25 (!) degrees at night! It is way too cold and I keep telling people it is winter. I think my body finally started adapting to the climate here…

WINTERTAGE
Ihr seht: nicht alle dunklen Geschichten sind wirklich so dunkel in Sierra Leone. Kein Wunder, die Sonne scheint viel zu oft! Auch wenn momentan die Tage etwas dunkler werden: die Regenzeit erreicht bald ihren Höhepunkt. Das bedeutet, dass ich nicht mehr schwimmen gehe und einen Pullover trage – Temperaturen sind tagsüber um die 28 Grad tief und nachts bis zu 25 Grad! Es ist viel zu kalt und alle stimmen mit mir überein, wenn ich sage “es ist Winter”. Ich glaube, mein Körper hat sich langsam an Sierra Leone gewöhnt… Regentage

Ich wünsche euch einen wunderschönen Sommer und viele schöne dunkle Geschichten,
I wish you a lovely summer and many happy dark stories,
Noemi