Strassen Geschichten von den Löwenbergen

Das Leben in Sierra Leone findet draussen auf der Strasse statt, und man fuehlt sich nie einsam draussen. Ich liebe das pulsierende Gefuehl, die impromptu Gespraeche, der Geruch von Rauch, Essen, Benzin, Schweiss und Parfum gemischt und die kreativen Anmachsprueche (hier eine kleine Auswahl: “Heute ist Internationaler Frauentag, ich muss eine internationale Verabredung haben. Kann ich dich zum Abendessen einladen?” oder “Ich mag dich. Du magst mich. Komm, wir gehen tanzen.” oder “Kann ich deine Nummer haben? Keine Angst, ich bin ein im Ausland lebender Sierra Leoner, ich werde dich nicht oft belaestigen.” oder “Du geniesst das Leben zu sehr, du musst endlich anfangen zu teilen. Ich bin bereit, es mit dir zu geniessen, Baby.”) Ich habe in den letzten Wochen begonnen, kurze Filme von Strassenszenen zu machen, weil das wohl den besten Eindruck von Sierra Leone vermitteln kann. Hier ein paar Geschichten dazu.

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Das Leben findet draussen statt  – Freetown Stadtzentrum

STRASSEN-GEBURTSTAG
Wie ihr sicher wisst, geniesse ich Geburtstagsfeiern sehr, je unterschiedlicher, desto besser (erinnert euch an Geschichten-Email Nummer 11…). Dieses Mal habe ich unter dem Motto “Geburtstag auf der STRASSE” gefeiert. Wir haben mit einem Sonnenuntergangsdrink auf der STRASSE am Strand gestartet, sind dann an die HauptSTRASSE in ein STRASSENrestaurant, das natuerlicherweise zu klein war, weshalb ich dann meine Geburtstagsrede von der STRASSE aus gehalten habe. Anschliessend sind wir an einen STRASSENmarket rund um das nationale Fussballstadium. Um hineinzukommen, musst du ein Eintrittsbillet kaufen, das zwei Meter weiter verrissen und an den Boden geworfen wird. Warum wurden dieses Billet ueberhaupt gedruckt, wenn dessen Lebensspanne gerade mal zwei Meter reicht, bevor sie auf der STRASSE landen?! Immerhin hat es zu meinem Geburtstagsmotto gepasst. 😉
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THANK ZOU JESUS – DANKE JESUS – für schöne Strassen!

KAPRY, KOENIG DER STRASSE
Ich benutze immer noch regelmaessig Okadas, Motorraeder, die importiert wurden von Indien, billig produziert fuer Entwicklungslaender. Bei diesen Okadas versagen die Bremsen regelmaessig, die Gangschaltung funktioniert zwischendurch mal nicht und die Spiegel werden verloren. Bevor mein Okadafahrer also einen Hang hinunter faehrt, frage ich zur Sicherheit nochmals schnell, ob seine Bremsen gerade anstaendig funktionieren, man weiss ja nie, und es ist mir doch schon einmal passiert, dass die Bremsen defekt waren, was dann doch etwas aufregend ist, diese ungestoppte Beschleunigung.
Mein persoenlicher Okadafahrer heisst Kapry, er ist Vizepresident der lokalen Okadafahrer-Vereinigung und sehr zufrieden mit seinem Leben, was ein angenehmer Kontrast ist zu den ueblichen Beschwerden, die man so hoert. Kapry lacht nie, wieso auch, er fragt mich: “Findest du nicht, ich sehe auch ohne Laecheln gut aus?”
Er ist DER puenklichste Sierra Leoner, den ich kenne, und besteht auf regelmaessige Uhrenabgleiche, um sicherzustellen, unsere Uhren zeigen exakt die gleiche Zeit. Wenn ich dann etwas zu spaet bin (und das ist fuer ihn 30 Sekunden und drueber), dann erhalte ich sofort einen Anruf. Ich habe mittlerweile einen schlechten Ruf bei ihm weil ich immer zu spaet bin und er findet ich bin afrikanischer als er.
Als ich gestern von Hill Station nach Hause wieder bei ihm auf dem Okada sass, und er mich durch den drueckenden Verkehr durschlaengelt, immer wieder beschleunigend und abbremsend, dabei fast einen Brotverkauefer auf der Strasse anfaehrt, ein Lastwagen umfahren muss und dabei auf den Fussgaengerstreifen ausweicht, erzaehlt er mir von seinem aelteren Bruder, der seit zwei Wochen vermisst wird. Er verliess das Haus “nur schnell” und kam nicht mehr zurueck, seine Frau und zwei Kinder sind am verzweifeln. Kapry hat alle Polizeistationen abgeklappert, alle Spitaeler und hat nun gestern stundenlang in der Totenhalle Leichen durchsucht. Er ruft mir dieses Geschichte durch seinen Helm und meinen Helm zu, in der Mitte der verkehrsreichen Strasse, und sagt, er ist bereit, seinen Bruder aufzugeben, er ist mehr besorgt ueber seine Schwaegerin, die nun in eine Depression hinein zu rutschen scheint.
Das Leben passiert und wird verarbeitet auf der Strasse, sowohl die guten Zeiten, also auch die schlechten.
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Kapry mit seinem Okada – Motorrad

Und ich bin mir sicher, die Strassen in eurem Quartier sind etwas leerer als hier, ich teile also gerne etwas: Downtown.

Street stories from the Lion Mountains

Life in Sierra Leone happens on the street, and you will never feel lonely outside. I love the buzzing, the chitchatting, the smells of smoke, fuel, food, sweat and perfume all mixed up, and the random pickup lines you hear (some of my recent favourites: “Today is International Women’s Day, I need an international date. Can I take you out?” or “I like you. You like me. Let’s go out.” or “Can I have your number? Don’t worry, I am diaspora Sierra Leonean, I will not bother you much.” or “You enjoy life too much, you need to start sharing that enjoyment. I am ready to enjoy with you, baby.”). I recently started collecting short movies of street scenes, as I think streets give you the best impression of life here in Salone – and there is so much great people watching to do! Here are some written stories.
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Life happens on the street – downtown Freetown

BIRTHDAY ON THE STREETS
As you might be aware, I enjoy celebrating birthdays (remember story email no 11…), preferably different every year. This time the theme was “on the STREETS” and we started with a sunset drink on the STREET at the beach, went on to have dinner in a Senegalese STREET restaurant, where the space was too small to fit us all, we shared chairs and I ended up standing half on the STREET to give my birthday speech. We then went on to the trade fair which was happening on the STREET around the national stadium. To enter, you buy a ticket, which is then again taken away from you two meters ahead, ripped apart and thrown on the ground. Why even bother printing those tickets, if their lifetime is about 1 minute before ending up on the STREET?! But you can imagine, it was fitting for my birthday theme ;).
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THANK YOU JESUS – for nice roads?!

KAPRY, KING OF THE STREETS
Since I still do not have my car back from my mechanic who had an accident with it (a different story that fills a whole email in itself), I keep using Okadas, motorbikes, imported from India, produced as cheaply as possible so that it is affordable in developing countries, but that also means that breaks fail regularly, gears sometimes get stuck and mirrors get lost all the time. Before my okada rider goes down a hill, I normally ask about their breaks quickly, just to be sure, because it has happened before that the breaks were actually broken. A very nerve-racking experience, going down hill with broken breaks.
My personal bike rider is called Kapry, he is the vice-chairman of the local okada bike rider association and he is very content with his life, which is a nice change to the usual “ah this is bad in my life and this is not working andandand”. He also is the man who never smiles, not even when I ask him to: “why should I smile, you don’t think I look fine without smiling?”. Kapry is THE one most punctual Sierra Leonean I have met, he would call me if I am 30 seconds late and he insists on doing phone-time-checks, making sure our phones show the same time, so that we both are on time for pickups. I have got a really bad reputation with him for being notoriously late, making me feel more African than he is.
On our last bike ride, he told me about his oldest brother, who went missing two weeks ago. He just left the house “quickly” and never came back, leaving his wife and two children in total agony about his whereabouts. Kapry has checked all police stations and hospitals in the area and spent yesterday at the mortuary, looking at dead bodies for hours. He shouts over to me all this information through his helmet and through my helmet, while speeding on through evening traffic, making us nearly hit a breadseller on the street, cruising on the pedestrian way around a big truck blocking the road, telling me about how his brother’s wife is having mental issues now and how he is ready to give up on his brother, just keep on living. Life is happening and being processed on the street, the good side of life and the bad one.
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Kapry on his okada – motorbike

And I know that the streets in your countries are much more likely to be rather empty, so you might enjoy this insight.

Ueberlebens-geschichten von den Loewen-Bergen

“ueberleben” hat eine ganz andere Bedeutung in einem Land, wo Leute taeglich und urploetzlich sterben, die Lebenserwartung halb so hoch ist wie in Europa und unbekannte Gefahren lauern in jeder Moskito, hinter jeder Strassenecke und in jedem Tropfen Hahnenwasser. “Ueberleben” hat auch ganz eine andere Bedeutung am Arbeitsplatz, wo es kein funktionierendes System gibt, man taeglich auf Eierschalen laeuft im Versuch die Interessen des Chefs, der Bevoelkerung und meine eigenen zu balancieren, wo es keine Elektrizitaet, ultralangsames Internet und keine Toilettenspuelung gibt, und wenn es regnet, dann ueberflutet dein Buero. Meine Schwester hat mir gesagt, sie hat den Eindruck dass mein Leben hier voller nie-endenden Dramen ist. Das stimmt, aber hat auch dazu gefuehrt, dass ich mittlerweile, nach zwei Jahren eine Ueberlebensexpertin bin. Ich arbeite nun am naechsten Schritt: nicht nur ueberleben, sondern auch aufzubluehen im mitten des Chaos!
Hier ein paar meiner unzaehligen Geschichten zum Ueberleben in Sierra Leone.

PISS PISS

Einer meiner ausgefallensten Freundinnen hier ist Theresa. Sie ist eine Sierra Leonerin in den Vierzigern und fuehrt ihren kleinen Laden direkt an der Hauptstrasse, in meiner Nachbarschaft. Ich gehen oft vorbei und sitze auf der Strasse, trinke ein lauwarmes Bier oder Wasser und diskutier mit ihr Gott, Liebe und die Welt. Eines warmen Samstagnachmittags, wir diskutieren gerade die Eifersucht von Sierra Leoner, als ich den Drang verspuehre, mich zu erleichtern. Ich frage Theresa nach der Toilette, worauf sie mich grinsend hinter den Laden fuehrt und jeden informiert, dass Naomi sich erleichtern muss (das haette mich wirklich warnen sollen). Hinter dem Laden sitzen zehn Frauen bei einer halb-offenen Tuere, die mich ebenfalls grinsend begruessen – eine weisse Frau die hier pissen muss, das ist eine kleine Sensation. Theresa zeigt zur halb-offenen Tuere und sagt mir, ich kann dahinter gehen. Hinter der Tuere ist absolut NICHTS – kein Dach, keine Toilette, kein fliessendes Wasser (geschweige denn Toilettenpapier), kein Loch, keine grafische Darstellung, die mir zeigen wuerde wie und wo ich pissen soll und auch kein Sichtschutz zur Hauptstrasse. Waehrenddem ich mich zu orientieren versuche, und jegliche Gedanken an vorherige Besucher dieser “Toilette” ausblende, Theresa kommt hinein und hockt neben mir. Wenigstens trage ich einen Rock, was es etwas einfacher macht und etwas Sichtschutz bietet und Theresa beginnt mir zu sagen, ich soll “pissen, pissen”, einfach nur “piss! Piss”. In ihrem Gesicht sehe ich sichtbaren Stolz, dass sie mit einer weissen Frau zusammen pisst –  wahrscheinlich das erste mal fuer sie (und auch das letzte mal…). Und ja, fragt erst gar nicht nach Haende waschen oder so! 😉

Die traurige Seite der Geschichte ist, dass die Mehrheit von Sierra Leone in aehnlichen sanitaeren Umstaenden lebt. Kein Wunder sind Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Ebola allgegenwaertig.

SCHLAGANFALL PANIK

Eines Morgens schlief mir ploetzlich mein linker Arm ein. Es wurde etwas besser und dann wieder schlechter, aber ich dachte mir nicht viel dabei. Etwas spaeter ass ich zu Mittag mit einer Freundin, als mir auf einmal auch der rechte Arm, dann beide Fuesse und schlussendlich auch mein Gesicht, inklusive Lippen einschliefen. Ich bin ein grosser Fan von Dr Google und Selbstbehandlung (gerade in Sierra Leone aeussersts hilfreich, zumindest normalerweise) und google daher meine Symptome. Das erste Ergebnis, das auftaucht ist SCHLAGANFALL. Ich google weiter um herauszufinden, ob ich ueberhaupt einen Schlaganfall haben kann in meinem Alter – und natuerlich, es
gibt dutzende von Geschichten von Schlaganfaellen bei jungen Erwachsenen. Meine Freundin und ich sind mittlerweile nahe einer Panik und gehen sofort zum Arzt, der gluecklicherweise gerade auf der anderen Strassenseite ist. Beim Arzt beginne ich zu hyperventilieren und werde schliesslich ohnmaechtig. Der Doktor gibt mir eine Spritze
in meinen Hintern um mich wieder zu den Lebenden zu bringen und macht die notwendigen Tests. Nach einer Weile ist klar, ich habe “nur” Malaria – ich glaube, der Doktor hat noch nie jemanden so gluecklich gesehen mit einer Malaria Diagnose! Alles besser als einen Schlaganfall 😉

UM GNADE BITTEN

Ich war am Auto fahren und wollte einen Freund kurz absetzen. Verkehrsregeln existieren in Sierra Leone, aber werden eher auf einer zufaelligen Fall-zu-Fall basis umgesetzt. Ich dachte mir daher nicht viel dabei, als ich in einem Kreisel (es war ein grosser Kreisel, zu meiner Verteidigung) anhielt und meinen Freund rausspringen liess.
Dummerweise hielt ich DIREKT VOR einer Polizeistation. Der Polizist war mehr als gluecklich, mich wegen Verletzung von Verkehrsregeln fest zunehmen und zur Polizeistation zu begleiten um meine Aussage aufzunehmen. Es war so unglaublich heiss in der Polizeistation, dass ich kaum klar denken kann. Meine Aussage wird aufgenommen waehrenddem ich schweisstropfend auf der Holzbank sitze und von allen angestarrt werde. Ich bin immer noch am ueberlegen, wie ich am besten aus dieser Situation (und diesem heissen Raum) herauskomme, als ein Offizier kommt und mich fragt: “So, Madam, sollen wir Sie vors Gericht zitieren oder bitten Sie um Gnade?” Ich verstehe nicht ganz und er wiederholt: “Sollen wir Sie vors Gericht zitieren oder bitten Sie um Gnade?” Ich verstehe die Logik dahinter nicht ganz und finde, das ist nicht wirklich eine Wahl, aber sage schlussendlich, ich bitte um Gnade. Seine Antwort: “Gnade erteilt, ich wuensche Ihnen einen schoenen Tag, geehrte Frau!” Schnelles Urteil, unglaubliche Gnade! 🙂 ich gehe spaeter vorbei mit einem kleinen Ventilator als Dankeschoen und damit zukuenftige Verbrecher nicht so schwitzen muessen wie ich.

Survival-stories from the Lion Mountains

Dear readers,

“survival” has a whole other meaning in a country where people die randomly and all the time, life expectancy is half of what it is in Europe and there are unknown dangers waiting in every mosquito, behind every corner and in every drop of water. It also literally has a whole other meaning if you want to survive in your work place, where there is no functioning system, you are walking on eggshells everyday trying to juggle your bosses’ interests, your own and what you think the people’s interests are and there is no electricity, super slow internet, the toilet is not flushing and when it rains, your office gets flooded. My sister told me, she has the impression that the dramas in my life here are never-ending. However – living in this environment for two years now, I became an expert in surviving and I am now trying to reach the next level: thriving on top of surviving. Enjoy some of my countless survival stories!

PISS PISS

Theresa is one of my quirkiest friends here. She is a forty-something woman who runs her own small shop, right on the main road and close to my house. I often stop by and chat a bit, drink a lukewarm beer or cider and we chat about God, love and the world. One day and probably one too many drinks, I had to pee urgently and asked her to show me the bathroom. She started grinning (this should have been my first warning sign) and led me away from the shop, telling everyone “Naomi has to ease herself”. You can imagine how red my head turned. She leads me behind the shop somewhere with a half open door and about ten women sitting in front of the door, who obviously all were informed about the white woman who needs to pee. Theresa shuffles me through the door and tells me to piss there. I am lost – behind the door, there is NOTHING. No roof, no toilet, certainly no running water (not even thinking about toilet paper), no sign on where to pee, no hole and also no protection of sight from the main road. While I am trying to orientate myself and not too think too much about how many people might have eased themselves right where I was standing, Theresa comes and JOINS ME. So I am squatting there trying to avoid the main street (so thankful that I was wearing a skirt that day) with Theresa next to me who keeps telling me to “Piss piss”, “piss piss” and being obviously proud that she is pissing together with a white woman. Oh Salone. And yes, do not even ask me about hand washing facilities…

The sad thing about this story is that the sanitary situation of the majority of Sierra Leone is actually exactly like this: non-existent. No wonder diseases like diarrhoea, Cholera and Ebola are thriving.
STROKE PANIC

One morning, my left arm suddenly went numb. It got better and worse again, but I went about my normal business. I was having lunch with a friend when my right arm also got numb, then my feet fell asleep and finally my face and my lips – I didn’t feel the food anymore and had problems talking. Me being a fan of Dr Google and self- treatment, got into high panic when the first diagnosis that came up upon googling my
symptoms was STROKE. I went on to google if I could even have a stroke at my age and came across hundreds of stories of young people unexpectantly having suffered strokes. By that time both me and my friend were close to freaking out and went to see the Doctor, who luckily was just across the street. While they are taking my medical history (a must, especially in times of Ebola), I start hyperventilating and finally faint – all the drama. After an injection in the butt to get me going again and all the medical tests, the Doctor tells me I am having Malaria and he probably hasn’t seen anyone being so happy about having Malaria – at least it wasn’t a stroke!

PLEADING FOR MERCY

I was driving a friend’s car and dropping off someone. Traffic rules in Sierra Leone exist, but are implemented on a more case-by-case basis. I therefore didn’t think a lot, when I stopped in a roundabout (it was a big one, to my defence) and let my friend jump out. Stupidly enough, I did this RIGHT IN FRONT of a police station. The police officer was more than happy to charge me with violation of traffic rules, guide me to the station, let me park my car and have me go inside to give my statement. Inside the police station, it was SO incredibly hot, that I have problems thinking clearly. I give my statement while dropping with sweat and keep thinking about how to get out of this situation (and the hot room). At the end, an officer comes up to me and asks me: “So, Madame, shall we take you to court or do you plead for mercy?” I was confused and he repeated his question: “Shall we take you to court or do you plead for mercy?” I thought that is not really a choice, so said I would rather plead for mercy. His response “Mercy granted, have a nice day, mylady!” Quick justice, amazing grace!
I went back later with a small fan to say thanks and let them cool down the room for any other criminals.

When it is not possible to be ready to die

“People die here everyday, randomly and without good explanations.” I say this sentence in every longer conversation I have about Sierra Leone. It was always something very much matter of fact to me, just another statistic that I have saved in my head among the other key health indicators: maternal mortality 1165 per 100,000 live births, infant mortality 92 out of 1000, average life expectancy 48 years, GDP per capita 1500 USD per year, poverty rate 52%, 35% of pregnant women are teenagers, literacy rate among women 25%, ranking in the human development index: among the last 10 countries in this world. I am so used to these statistics, it doesn’t really move anything anymore in my mind, just some thoughts on how they were measured and if the right statistical approach was used. They are all screaming out that something is terribly wrong in Sierra Leone, that life years are wasted, families regularly hit with disaster and confronted with sickness and death.

I was never someone who was moved a lot by death. For me, the time of my and every one else’s death does not lay in our hands and is out of our control. I believe that we have a life after death and that death is just another milestone in this universal existence. In highschool, the best essay I wrote was titled “The aim of life is to be ready to die” and I lived according to it. The aim of life is to be ready to die. When it was someone’s time to reach that milestone, I normally thought that it was more or less justified and that life for us continues. Grandparents die after a long life, last stage cancer patients die after long treatment, only in rare cases are there exceptional deaths. My grandfather is receiving palliative care after few years of heavy medical interventions that kept him alive, including a bypass heart surgery ten years ago. His body has long been ready to die, but modern medicine wasn’t allowing this, giving his soul time to reach the point where he is ready to die. You do not get that time in Sierra Leone. There is no modern medicine, there is no working health system with heavy medical interventions and bypass heart surgery. You can be lucky if the clinic you are consulting with your pains has a qualified nurse who happens to be around and some painkillers in the shelf who are not expired or stocks just happened to have run out.

I was never someone who was moved a lot by death. I realised that people attend funerals regularly here in Sierra Leone, I realised that people tend to die younger than what I know from Switzerland. However, when one of the uncles of my closest friend died of Ebola or when the father of my night guard suddenly had to be rushed to hospital, dying of unknown causes and making my strong young guard crying out loud, I didn’t feel a lot. I didn’t feel a lot when the father of one of my best friends here died and avoided going to the funeral (it was Ebola times, after all, is what I told myself). I didn’t feel a lot when people kept commenting on the fact how lucky I was to still have both of my parents alive (why should they be dead, they are only in their fifties anyway?!). I just had my wake up call, literally. I woke up at 4am this morning to a text message from Kapry, saying that his sister in law has passed away. She was the wife of Lansana, whom I know well, the mother of an 18 month old girl who likes to dance to Nigerian music and she was my age. She was not ready to die and she shouldn’t have. Sierra Leone let her down and Sierra Leone also let the other 3500 women down who died during the last year in childbirth of preventable causes. Sierra Leone also let the 25,000 children down who die every year before they reach their 5th birthday. We let the 4000 people down who died because of Ebola, but a similar epidemic (even worse – as it is endemic) is happening in Sierra Leone in the front of all our eyes, written in all statistics. People are dying here all the time, randomly and without good explanations. And they are not given the time to be ready to die, they have not lived their life to the fullest of their possibilities, they have not had time to accept their fatal illness or had time to note down how they would like their funeral to happen. Sometimes, it is not possible to be ready to die – and it is up to us to change that, for everyone, especially in Sierra Leone.

I apologise for my ignorance so far. I apologise that it took me two years of living here to be shocked at a message of death. I apologise to all Sierra Leoneans and Africans for not giving you the time to be ready to die. Rest in peace, Madame Marie Kabbah, and thank you for waking me up from my ignorance. Let us hope and pray that your daughter will reach her 5th birthday and live way beyond that, enough long to be ready to follow you to where you are now.

Dark-stories from the Lion Mountains | Dunkle Geschichten von den Löwenbergen

“Dunkle-Geschichten von den Löwenbergen” – Geschichten-Email Nummer 14 von Freetown, Sierra Leone. Einfach kurz melden, falls du diese Geschichten lieber nicht mehr hören möchtest!
 

 “Dark-stories from the Lion Mountains” – story email number 14 from Freetown, Sierra Leone. Just drop me a line, if you’d rather not receive these emails anymore.

Meine lieben,
Mes chères,
My last two months of my time with the Ministry are ahead – happily enough not my last two months in Sierra Leone! Time for another story email.
Meine letzten zwei Monate als Angestellte der Regierung stehen vor mir – glücklicherweise bleibe ich noch etwas länger in Sierra Leone! Zeit für ein paar Geschichten.

BLACK COMPUTERS
Some of my darkest days I experienced at the Ministry. It is the days when you feel like everyone just wants to make money, GREED is like the general slogan of the Ministry and obviously it is these days that the internet is not working and there is no electricity. The last fact turned into a game for me: as soon as electricity goes, I set myself a time – if we do not have power by the end of that set time, I am allowed to go and treat myself to Frozen Yogurt in Gina’s, a lovely coffee place. Obviously, the main reason is to get electricity and internet again… 😉 Strategies to survive working in the Ministry!

SCHWARZE COMPUTER
Meine schlimmsten Tage habe ich normalerweise im Gesundheitsministerium. Es sind die Tage, wo ich das Gefühl habe, alles und jeder dreht sich nur ums Geld, GIER ist das Motto des Ministeriums und natürlich haben wir immer dann auch kein Internet und keinen Strom. Letzteres habe ich mittlerweile in ein Spiel entwickelt: sobald der Strom ausgeht, setze ich eine Deadline. Wenn bis dann der Strom noch nicht zurück ist, erlaub ich mir in ein nettes Café Eis essen gehen. So wird auch der Stromausfall zum Höhepunkt!

BLACK IN HEART
We were in the office the other day when I complained about Europeans and how they come in and think everything just works how it works in Europe. These consultants or visitors or Ebola-workers or whoever also think that I as a white work like a European, even though I work with all Africans in a completely African organisation (you can’t get more national then Government, I suppose). Anyway – I realised after a bit that I am complaining about myself in a way and the Western attitude of “we know it all a bit better than Africans” when I announced that I should probably stop ranting as I am one of those Westerners. My colleague said “no, no, you are one of us: you are black in heart. You are not a real white woman, you are more black.” Do hearts have colours?

SCHWARZES HERZ
Ich habe mich letzthin im Büro aufgeregt über Europäer, die als Kurzzeit Berater nach Sierra Leone kommen und denken, alles sollte so funktionieren wie in Europa. Diese Berater haben dann auch den Eindruck, ich als Europäerin bin ihre beste Bezugsperson und arbeite wie in Europa, jedoch vergessen sie dass ich in einem kompletten afrikanischen Umfeld und System arbeite. Man kann wahrscheinlich nicht sierra leonischer sein als die Regierung! Die Erwartungen klaffen also oft auseinander und die Haltung “Wir wissen es einfach etwas besser als die Afrikaner” nervt mich teilweise. Wie auch immer – nachdem ich mich beschwere bei meinen Teamkollegen, realisiere ich auf einmal dass ich ja auch so eine Europäerin bin. Meine Teamkollegen meinen darauf: “Nein, Naomi, du bist eine von uns, du bist keine richtige Weisse. Dein Herz ist schwarz.” Hat ein Herz eine Farbe?

DARK WHISTLERS
I like whistling. And I do it a lot, also when I am not aware of it. Back in Europe, nobody would ever comment on it. Here, I was surprised to get comments regularly like “oh, so you like whistling?” or “oh Naomi, you know how to whistle!” etc. I was slightly surprised, but didn’t think more. One day, a Sierra Leonean told me about devils and what they believe about them. He said, that there is a devil called “Rouffi” who comes around your house whistling – hence why nobody should be whistling, or they think you are a devil. Wow, what a revelation! Whistling made me a devil here.

DÜSTERE MUSIK
Ich pfeife gerne und oft. Teilweise auch, wenn ich es nicht einmal selbst bemerke. Das wäre nichts auffälliges in Europa – hier jedoch bemerkt das jeder und jede und fragt mich, ob ich gerne pfeiffe oder kommentiert meine Pfeiff-fähigkeiten (die nicht übel sind ;)). Ich war etwas überascht, als ich erfuhr, dass es ein Teufel hier gibt, den man Rouffi nennt. Rouffi kommt zu dir mit einem Pfeiffen – darum sollte/darf niemand pfeiffen. Die denken, ich bin ein Teufel!

DARK COMMENTS
What are the worst comments a woman can get in our culture? Whenever I get back from holidays, I normally get a bright smiling “Welcome back, Naomi! You are FAT! You look beautiful!” straight in my face. The “you look FAT” part of that statement normally gets stuck more and is the best motivation to keep my rigorous “after-holiday” diet. This however was not appreciated by my colleagues who started force-feeding me after telling me: “you are on a diet? But why? You have nothing to lose!” They realised after a while that I kept giving all the food they brought me to our office runners and security guards. Their newest statement is that “Naomi is a very poor eater”. If they would have any idea of how much ice cream I can eat…
 

UNERWÜNSCHTE KOMPLIMENTE
Was ist der schlimmste Kommentar, den eine Frau erhalten kann? Immer wenn ich von Reisen zurück komme, erhalte ich ein lachendes “Willkommen zurück, Naomi! Du bist DICK! Du siehst wunderschön aus!”. Den “du bist dick” teil des Kommentars bleibt mir normalerweise besser in Erinnerung und ist die beste Motivation für eine strikte nach-Ferien-Diät! 😉
Das wiederum wird von meinen Arbeitskollegen nicht gerne gesehen. Die zwangsfüttern mich dann mit dem Kommentar “Du bist auf Diät? Aber wieso? Du hast nichts an dir abzunehmen…” Ich hab mich dann ein paar Mal erfolgreich gegen die Zwangsfütterung gewehrt und der neuste Kommentar ist nun “Naomi ist eine sehr schwache Esserin”. Wenn die nur wüssten, wie viel Glace ich essen kann…

WINTER DAYS
You see: not all dark stories are dark in Sierra Leone. No wonder, the sun is shining way too often for things to be dark. Even though they get darker now: rainy season is here! Which for me means, I am not swimming in the sea or the pool anymore and I walk around in a sweater – with outside temperatures of “mild” 28 degrees Celsius and down to 25 (!) degrees at night! It is way too cold and I keep telling people it is winter. I think my body finally started adapting to the climate here…

WINTERTAGE
Ihr seht: nicht alle dunklen Geschichten sind wirklich so dunkel in Sierra Leone. Kein Wunder, die Sonne scheint viel zu oft! Auch wenn momentan die Tage etwas dunkler werden: die Regenzeit erreicht bald ihren Höhepunkt. Das bedeutet, dass ich nicht mehr schwimmen gehe und einen Pullover trage – Temperaturen sind tagsüber um die 28 Grad tief und nachts bis zu 25 Grad! Es ist viel zu kalt und alle stimmen mit mir überein, wenn ich sage “es ist Winter”. Ich glaube, mein Körper hat sich langsam an Sierra Leone gewöhnt… Regentage

Ich wünsche euch einen wunderschönen Sommer und viele schöne dunkle Geschichten,
I wish you a lovely summer and many happy dark stories,
Noemi

Chop-stories from the Lion Mountains

“Essen-Geschichten von den Löwenbergen” – Geschichten-Email Nummer 12 von Freetown, Sierra Leone. Einfach kurz melden, falls du diese Geschichten lieber nicht mehr hören möchtest!
 “Chop-stories from the Lion Mountains” – story email number 12 from Freetown, Sierra Leone. Just drop me a line, if you’d rather not receive these emails anymore.

Liebe Leserin und Leser,
Dear readers,
New year brought not only an amazing holiday in Switzerland and the UK for me, but also a new boss and new team: I found out on the 1st of January that my direct boss and two of my colleagues were fired with immediate effect. The official reason is that they didn’t have the qualifications needed, but unofficially, they were not friends with the Minister. With those changes came a whole re-shuffling of the Ministry and weeks of stagnation followed. This led to me sticking my head out too much and nearly being fired (story to follow another time) and a lot of unnecessary stress, additional work and responsibility. One of my local friends responded to my outburst of complaints regarding the whole Ministry: “In Europe, there is an existing system and you as individual or employee are trying to fit into the system. If you don’t fit, you fall out of the system. Whereas here, there is no system and you are just trying to survive – and in that you are creating a chaotic and very weak system!” Welcome to a world where everyone is aiming to “chop money” – eat money (and food, obviously). Only thing you can do in moments like this is go to the beach:

Das Neue Jahr hat mir nicht nur wunderschöne Ferien in der Schweiz und in England gebracht, sondern auch ein neues Arbeitsteam und ein neuer Chef. Am 1. Januar fand ich heraus, dass mein direkter Chef und zwei meiner Teamkollegen fristlos entlassen wurden. Die offizielle Begründung ist, dass die Qualifikationen nicht ausreichend waren, inoffiziell ist allen klar, dass die Entlassenen nicht auf bestem Fuss mit dem Minister standen. Der Minister hat das ganze Ministerium umgekrempelt und darauf folgten Wochen des Nichtstun, der Angst um den Arbeitsplatz und der Unsicherheit. Ich hielt meine Hand zu sehr ins Feuer und verlor fast meinen Job (diese Geschichte erzähl ich ein anderes Mal) und hatte einen stressvollen Start ins neue Jahr, mit mehr Verantwortung, zusätzlicher Arbeit und bin nun um einige Erfahrungen reicher. Einer meiner lokalen Freunde meinte zu der ganzen Situation: “Europa hat ein funktionierendes System, wo du als Arbeiter einfach dich einfügen musst. Wenn du das nicht schaffst, fällst du raus, das System bleibt. Hier hingegen gibt es kein System und du versuchst bloss zu überleben – und damit wird ein äusserst chaotisches und unzuverlässiges System geschaffen.” Willkommen in einer Welt, wo alle danach streben, zu essen – sei es Reis oder irgendwelche Gelder. Da verkriech ich mich dann für ein paar Stunden am Strand: https://www.dropbox.com/s/x3efc63nf39cmew/burehatitsbest.jpg?dl=0

CHOP THE BEAKS
One nice sunny Saturday morning I go out to take care of my four chickens, who finally started laying eggs some weeks ago. As I approach the chicken coop, I am shocked to see blood everywhere and immediately start thinking about a massacre caused by our compound dogs, who have brutally killed one of my innocent chicks before. However, the chicks appear one after the other, bloody and a bit apathetic, but otherwise okay. It takes me some seconds to realise that their beaks have been brutally cut in half – I demand an explanation from my day guard. He admits to have cut their beaks because the chickens were picking on their eggs… a pretty brutal punishment he gave them – cutting beaks is banned in a lot of European countries. Oh Salone.

EIERPICKENDE HÜHNERSCHNÄBEL
An einem schönen sonnigen Samstagmorgen wollte ich meine mittlerweile eierlegenden Hühner füttern, als ich überall am Stall Blut sah. Ich dachte schon an ein Massaker ausgelöst von den Nachbarshunden (die schon einmal eines meiner Hühner brutal ermordet haben). Nach einigen Nachforschungen stellte sich dann aber heraus, dass mein Tagwächter Ronald die Schnäbel meiner Hühner kaltblütig halbiert hat, nachdem die Hühner auf den Eiern herumpickten. Ich fand später heraus, dass diese Praktik in vielen europäischen Ländern verboten ist. Oh Salone.

CHOP THIS EBOLA MONEY
Audit Services Sierra Leone just released a much debated report on the management of government funds designated for Ebola. It states that there are irregularities concerning about 30% of funds. The Anti-Corruption Commission hereafter released a list of 40 persons who need to report for potential corruption – among them a lot of my friends here at the Ministry. ”Eating money” or “chop money” is a common phrase in West Africa and there are songs about it. The most famous one is a Nigerian tune, quite an earworm, I must say: https://www.youtube.com/watch?v=17vC8qZILJE. Equally catchy, even though on a different level is this Ebola song: http://boingboing.net/2014/11/07/fighting-ebola-through-music.html. It basically says that Ebola needs to go now, we are tired.
About 400 million US Dollars came into Sierra Leone to fight Ebola, however, it seems like a big share of it was eaten by international experts or high level politicians. It is really amazing to see how the health facilities fight this war with whatever little they have been given. I visited one health facility that built their own Ebola holding center:https://www.dropbox.com/s/pff4f5zbtnqfd2q/ebolaholdingcenter.jpg?dl=0.
I also visited friends who were quarantined for 21 days because of Ebola and gave them money for baby food and whatever is not covered by the food supplies they receive. Ibrahim was especially grateful – I paid him with money from my social phone business I told you about in another email. So, these old Swiss and UK phones come to good use here!

MUSIK UND PHILOSOPHIE VON EBOLA
Vor einigen Tagen hat Audit Sierra Leone einen Bericht publiziert über die Ebola Gelder, die von der Regierung gehandhabt wurden. Es wurde festgestellt, dass die Verwendung von 30% der öffentlichen Ebola Resourcen schlecht oder gar nicht dokumentiert wurde. Die Kommission gegen Korruption hat daraufhin eine Liste mit 40 Namen veröffentlicht, die sich erklären müssen. Darunter viele meiner Arbeitskollegen im Ministerium. “Er isst Geld” (englisch: “chop money”) ist ein häufig benutzter Ausdruck hier in West Afrika und hat auch die Musikwelt inspiriert. Ein Nigerianischer Sänger hat einen Ohrenwurm produziert namens “Chop my money” https://www.youtube.com/watch?v=17vC8qZILJE. Ebenfalls ein Blick wert ist dieser Ebola Song: http://boingboing.net/2014/11/07/fighting-ebola-through-music.html. Hauptaussage: Es ist Zeit für Ebola zu verschwinden, wir sind alle müde.
Ungefähr 400 Millionen US Dollars flossen nach Sierra Leone im Kampf gegen Ebola, wobei ein grosser Teil davon wahrscheinlich für Entschädigungen von internationalen Experten und hohen Politikern benutzt wurden. Es ist umso erstaunlicher, zu sehen, wie die Angestellten in den Kliniken kreativ die minimalen Mitteln nutzen, die sie haben. Das hier ist eine improvisierte Ebola Quarantäne Station: https://www.dropbox.com/s/pff4f5zbtnqfd2q/ebolaholdingcenter.jpg?dl=0
Ibrahim, ein Freund von mir, wurde für 21 Tage unter Quarantäne gestellt zusammen mit 494 anderen Personen, nachdem zwei seiner Nachbarn an Ebola starben. Die Lebensmittellieferungen beinhalten keinerlei Babynahrung und kommen nur spärlich, daher hat er sich sehr über meinen Besuch und die finanzielle Unterstützung gefreut:https://www.dropbox.com/s/nh3zy5qdite593z/quarantine.jpg?dl=0. Das Geld kam von meinem sozialen Mobiltelefongeschäft, von dem ich auch schon erzählt habe. Die alten Mobiltelefone aus der Schweiz kommen also einem guten Zweck zu Gute!

Sierra Leoneans LOVE their palmoil, a reddish quite strong oil used for everything and anything. It adds a distinct colour to all dishes here (the picture in the link is from my work canteen – beans and fish). Reading a Sierra Leonean recipe the other day, I was shocked to read “…and in the end pour one and a half cup of palmoil over the sauce. Serve with rice.” Calories in the thousands that are added here – no wonder Sierra Leone has the highest prevalence of obesity in the subregion. Since coming to live here, I realised how much I don’t like palmoil and in how many products this oil is used. Just check any peanut butter the next time you are in your supermarket! Or any other processed food – a lot of them contain palmoil. Some of that could be from Sierra Leone as it is exporting every year 50 tonnes of palmoil, mostly to Nigeria. Nigeria alone is importing 500,000 tonnes per year… Anyway. I like my Cassava Leaves, the national dish, with NO palmoil, a fact that makes me very non-salonean.

Sierra Leoner LIEBEN Palmöl, ein rotes, ziemlich stark schmeckendes Öl. Es wird für fast alles benutzt hier und gibt jedem Gericht eine bräunlich-rote Farbe. In einem Sierra Leonischen Rezept habe ich letzthin gelesen “…und am Ende, füge anderthalb Tassen Palmöl zu der Sauce. Mit Reis servieren.” Kalorienbombe! Kein Wunder hat Sierra Leone mehr Übergewichtige als die Nachbarländer.
Ich weiss mittlerweile, dass ich Palmöl nicht mag und in wievielen Produkten sich dieses Öl eingeschleicht hat – schaut euch das nächste Mal im Einkaufsladen die Zutatenliste von euren Lebensmitteln an, die meisten beinhalten Palmöl. Dieses Palmöl könnte sogar von Sierra Leone kommen, wir exportieren jedes Jahr 50 Tonnen (wobei nur schon Nigeria jährlich 500’000 Tonnen importiert und fast die gesamte Ernte von Sierra Leone absorbiert).
Auf jedenfall mag ich mein Cassava Leaves, das Nationalgericht, OHNE Palmöl, was mich ziemlich un-Sierra Leonisch macht.

Momentan erleben wir atemberaubende Sonnenuntergänge, denen kein Foto gerecht werden kann. Ob Ebola, Korruption, neue Chefs oder Palmöl – die Sonne geht täglich auf und wieder runter in Sierra Leone. Beruhigend, nicht?
We are currently being spoilt by breathtaking sunsets, where no picture can fully capture the beauty of it. Ebola, corruption, new bosses or palmoil – nothing distracts the sun from rising and setting everyday in Sierra Leone. Which is re-assuring.

With love, herzlich,
Noemi

Photo links:

Birthday-stories from the Lion Mountains

“Geburtstags-Geschichten von den Löwenbergen” – Geschichten-Email
Nummer 11 von Freetown, Sierra Leone. Einfach kurz melden, falls du
diese Geschichten lieber nicht mehr hören möchtest!

“Birthday-stories from the Lion Mountains” – story email number 11
from Freetown, Sierra Leone. Just drop me a line, if you’d rather not
receive these emails anymore.

My dears, Liebe alle,

It’s the birthday season. Not just Jesus’ birthday, but also mine! I
celebrated this year Salone style (special edition as we are living in
times of Ebola) and experienced an incomparable cultural highlight –
let me share the best moments with you. Pictures in the end.

Es ist Geburtstagssaison – nicht nur Jesus’ Geburtstag, auch meiner!
Dieses Jahr habe ich Sierra Leonisch gefeiert (natürlich mit den
üblichen Ebola einschränkungen) und durfte einen einmaligen Geburtstag
erleben. Die besten Momente sind nun festgehalten! Fotos am Schluss.

CELEBRATING IN TIMES OF EBOLA
As you might be aware, we are living in a state of emergency now,
where it is not allowed to have public gatherings (unless they are for
Ebola sensitization). Police has recently started to arrest people
violating this and I was getting worried, as my guestlist contained 90
people. So how to still celebrate? Just invite some senior officials,
which I did: the Minister of Health and Sanitation, who happens to get
along with me. He was so pleased to have been invited, he put my small
invitation next to his portrait on the wall (picture attached).
Unfortunately he was travelling with the president and couldn’t join
the party, but I achieved my goal – in case the police would have
come, I would just have called the minister. Problem solved. Special
permission given to celebrate my birthday!

FEIERN IN EBOLA ZEITEN
Öffentliche Versammlungen sind verboten, da wir uns in einem
Notzustand befinden. Meine Gästeliste umfasste 90 Leute, was den
Rahmen eines kleines privaten Essen etwas sprengte. Da die Polizei
letzthin verschiedene Versammlungen aufgelöst und die anwesenden
Personen verhaftet hat, musste ich mir überlegen, wie ich mit
allfälliger Polizeipräsenz umgehen würde. Einige Personen wurden
wieder ausgeladen und dafür einflussreiche Persönlichkeiten
eingeladen: so auch der Gesundheitsminister. Wie schon gesagt
verstehen wir uns gut und er hat sich sehr über meine Einladung
gefreut, auch wenn er leider mit dem Präsident auf Reisen war an
meinem Geburtstag und daher nicht kommen konnte. Die Einladung hat ihm
aber so gefallen, dass er sie neben sein Porträt gestellt hat…(Foto
weiter unten) Mein Problem war gelöst: falls die Polizei gekommen
wäre, hätte ich einfach den Minister anrufen können.
Spezialbewilligung für meinen Geburtstag!

HARDSHIP ALLOWANCE
Sierra Leonean parties work like this: the host has to provide
everything. And with everything, I mean EVERYTHING. From chairs, to
softdrinks, to hard liquor, to limitless beer, overflowing food,
appropriate music to full on service, so that the guest can just sit
down and enjoy. I was obviously not fully aware of that when I started
inviting people, so when I then started noting down whom I invited, I
was a bit shocked to see 90 names, 95% thereof Saloneans. My two best
local friends were even more shocked – they knew
exactly what is expecting me. I was swimming in sweet innocence, as I
expected a more Western style of party, where people would probably
bring something to contribute. Two days before the party, Theresa and another friend sat me down and told me they think I don’t take this thing
serious. I was confused – and then panicked, after they explained the
concept of a Salonean party to me. So the day before the party I was
organising more food, more drinks, more ice, more helpers. It also
meant that this was the most expensive birthday party I have ever had
and my budget overspending was like 300%. Thank God I received an
email from my sponsoring organisation in the UK the following week,
announcing that they are very proud of me and the work I am doing and
will give me a small one-off Ebola hardship allowance. It just covered
my whole party ;).

HÄRTEZULAGE
Feste in Sierra Leone funktionieren etwas anders als bei uns: der
Gastgeber sorgt für alles. Und damit ist wirklich ALLES gemeint:
Stühle, alkoholische und nicht-alkoholische Getränke, genügend Essen
für eine Armee, passende Musik und Musikboxen und sogar kompletter
Service – der Gast soll nur hinsitzen können und geniessen.
Als ich begann, Leute einzuladen an meine Geburtstagsfeier, hatte ich
eher an ein europäisches Fest gedacht, wo jeder noch etwas beisteuert.
Als ich dann meinen zwei besten lokalen Freunden
ahnungslos erzählte, dass ich etwa 90 Leute eingeladen habe, davon 95%
Sierra Leoner, waren sie geschockt, da sie genau wussten, was mich
erwartet. Zwei Tage vor dem Fest sagten mir beide mit ernster Miene,
sie denken, ich nimm dieses Fest nicht genügend ernst. Ich war zuerst
verwirrt und wurde von beiden über die lokalen Gepflogenheiten
aufgeklärt – worauf ich in Panik ausbroch. Am Tag vor dem Fest war ich
am backen, mehr Essen am organisieren, mehr Getränke am einkaufen und
organisierte mehr Helfer. Diese Geburtstagsfeier war die teuerste, die
ich in meinen ganzen 26 Jahren gefeiert habe und ich gab mein
ursprüngliches Budget dreimal aus. Gottseidank erhielt ich in der
darauffolgenden Woche ein Email von meiner Organisation in London, wo
mir mitgeteilt wurde, dass das Management stolz auf meine Arbeit ist
und wegen der aussergewöhnlichen Umstände mir eine einmalige
Ebola-Härtezulage geben wird. Das deckte gerade alle meine Kosten –
meine Geburtstagsfeier war bezahlt ;).

BLOWING CANDLES
As there were only 3 white people and 75 black people at my birthday,
all the celebratory traditions were Salonean, too. This means that I
was told I have to change dress at least twice during the evening
(which I refused), I had to dance (which I loved) and I had to have a
table with flowers for the cake (all these birthday cakes kept me
baking for two consecutive evenings).
The cake cutting is a big thing, and apparently has to come after
singing, a speech by the chairperson (who was Kapry, a colleague and
close friend of mine), a publicly said wish from me, a short vote of
thanks by me, the lighting of candles by different important people in
my life and the blowing of the candles. All these protocols were not
explained to me on time, which led to about 10 people telling me what
to do at the same time when the cake was out, which further led to me
forgetting to blow the candles, not saying any wish, lighting my
candles myself, insulting people because they were not called to the
front, setting the napkin that was wrapped around the knife on fire
and me being so confused in the end, I just laughed. Who thought
eating birthday cake is so complicated?!

SURVIVOR
I had a rather special guest at my birthday: Will Pooley, the British
nurse who was the first Brit to get infected with Ebola and survived.
He is back in town to fight Ebola and joined my celebration – where I
found out that we share the same birthday!

GESCHENKE
Es ist hier nicht üblich Geschenke zu bringen. Im Gegenteil: wenn sich
die Gäste wirklich wohl fühlen und eine gute Zeit haben, nehmen sie
normalerweise etwas mit nach Hause. Sei es Essen, Kuchen, ganze
Flaschen Wein und Alkohol oder ähnliches. Ich wusste davon nichts,
daher könnt ihr euch mein Schock vorstellen, als auf einmal der ganze
Alkohol verschwunden war – die Gäste haben sich zu gut amüsiert.
Mir wurde ausserdem im Laufe des Abends gesagt, ich sollte meine
Geschenke etwas verstecken, da diese sonst mitgenommen werden von
Leuten. Ihr könnt euch mein Gesicht vorstellen! 😉

OPENING PRAYERS
Salone is the world’s most tolerant country in terms of religion.
Christianity and Islam are co-living peacefully. It is normal to open
meetings, programs or important gatherings with opening prayers, both
at work in the Ministry or at birthday celebrations. So my birthday
was opened by Theresa saying the Christian prayer and Abu Bakarr
saying the Muslim prayer. Theresa made a whole statement out of it and
prayed for me never leaving Salone and manymany children to come that
she then can babysit, making everyone applauding in the midst of her
prayer.

START GEBET
In Salone herrscht die weltweit grösste Religionstoleranz. Christentum
und Islam koexistieren friedlich. Es ist normal, Sitzungen, grössere
Treffen, Anlässe und andere wichtige Zusammenkünfte mit Gebet zu
eröffnen – bei der Arbeit im Ministerium ebenso wie bei
Geburtstagsfeiern. Mein Geburtstag wurde daher eröffnet mit einem
christlichen Gebet von Theresa und einem islamischen Gebet von Abu
Bakarr. Theresa hat eine ganze Rede daraus gemacht und betete für
viele Kinder für mich, die sie dann babysitten kann – was zu spontanem
Applaus führte.

THANKFULNESS
As much as I had an amazing birthday celebration and was just thankful
for having so many friends that celebrate with me, my guests were very
thankful for the opportunity to celebrate, eat and dance at these
difficult times. Most of them haven’t celebrated anything since the
outbreak of the disease and people are tired. It is rare to have
highlights these days, bad news are the new normal.
The party also made me known among the Ministry crowd and my
neighbourhood as “the one with the birthday party”.

I am thankful for all of you, my dear readers, for all the feedback,
lovely emails, thoughts and even silent support. I wish I can return
some of that in any form – let me know if you ever need anything I
could be helpful with!

DANKBARKEIT
So wie ich unglaublich berührt war durch die vielen Freunde, die mit
mir feierten, waren meine Gäste unglaublich dankbar für einen
Höhepunkt in diesen schwierigen Zeiten. Viele haben seit dem Ausbruch
der Ebola Epidemie nichts und nie gefeiert und die Leute sind müde.
Höhepunkte sind selten, schlechte Nachrichten sind das neue Normal.

Ich bin ebenfalls dankbar für euch alle, liebe Leser, für alle
Nachrichten, Emails, Gedanken und stille Unterstützung während diesem
Jahr. Ich hoffe, ich kann das irgendwann und irgendwie zurückgeben –
lasst mich wissen, wenn ihr wisst wie ich euch helfen kann!

Mit diesen Geburtstagsgeschichten wünsche ich euch eine wunderschöne
Geburtstagsfeier von Jesus – Weihnachten – und eine erholsame und
friedliche Zeit mit eurer Familie, mit Freunden, gutem Essen und guter
Gemeinschaft!

With that, I wish you a lovely celebration of Jesus’ birthday, alias
Christmas – enjoy your families, friends, food and fellowship!
Or as the Saloneans say: compliments of the season!

Noemi

PS: ausgewählte Fotos findet ihr hier:
https://www.dropbox.com/sh/c6t2oka91purym1/AAD26vqz9Q1GpZJ2uVZ9TBcVa?dl=0
PS: selected pictures to be found here:
https://www.dropbox.com/sh/c6t2oka91purym1/AAD26vqz9Q1GpZJ2uVZ9TBcVa?dl=0

Swiss-stories from the Lion Mountains

Liebe Freunde,
seit fünf Wochen weile ich nun in der Schweiz. Aus den Ferien in Südafrika wurde ich anstatt nach Hause in Freetown nach Hause in Bürglen geflogen. Ich hatte wohl noch nie solch gemischte Gefühle über das Wiedersehen mit Familie undFreunde. Freude, Trauer und Wut wechselten sich stündlich ab und mischten sich auch mal kunterbunt.
Schlussendlich habe ich mich entschieden, nächste Woche zurück nach Freetown zu fliegen. ODI, meine Organisation in London, findet immer noch, dass eine Rückkehr keine gute Idee ist zum jetztigen Zeitpunkt. Doch gerade jetzt werden Leute vor Ort dringend benötigt, ich finde es den absolut falschen Zeitpunkt, um in der Schweiz rumzuhocken. Ich werde meinen alten Job weitermachen und die zwei neuen Arbeiter in meiner Abteilung beaufsichtigen. Zusätzlich werde ich wahrscheinlich im “Case Management” von Ebola-Fällen in Freetown mitarbeiten. Dort wird entschieden, welche Fälle werden wo und wie behandelt, welche Häuser werden unter Quarantäne gestellt, welche Kontakte muss man täglich auf Krankheitsanzeichen überprüfen, etc. Und – dann habe ich natürlich noch weitere Ideen, wie ich meine Zeit füllen werde, siehe weiter unten…

KONTROLLE
Meine Zeit in der Schweiz war zu einem wichtigen Teil mit genussvollen Essen verbunden. Leute, ihr habt ÄPFEL, da schwärm ich nur noch! Und Milchprodukte in allen Formen und Geschmäckern. Nicht zu vergessen die Weine, das kohlensäurehaltige Mineralwasser und natürlich: die Glace. Ich glaube, meine Augen haben mich mehrmals verraten. Meine Eltern meinten nämlich beide: “Noe, man merkt dir an, dass du direkt aus einem Drittweltland kommst…”

TRIBE
Einer meiner Arbeitskollegen in Freetown hat mich am Telefon gefragt, von welchem Stamm (Tribe) ich komme. Ich habe dann erklärt, ich sei Teil des Schramm-Clans, der wiederum bei einem Stamm names Thurgau Unterschlupf gefunden hat. Er war beeindruckt, dass es in der Schweiz 26 verschiedene Stämme (Kantone…) gibt.

ERINNERUNGEN
Der Vater einer Bekannten aus Weinfelden hat 13 Jahre zur Zeit des 2. Weltkrieges in Freetown verbracht. Sie selbst hat Freetown in den 80er Jahren auch besucht und hatte alte Fotos und Bücher – teilweise mehr als 100 Jahre alt! Wir verbrachten einen ganzen Nachmittag in Erinnerungen schwelgend. Freetown hatte 1901 knapp 30’000 Einwohner. Heute sind es 1,5 Millionen!

EXPERTIN
Was geschieht, wenn man eine von fünf Schweizerinnen in einem Land ist, das nun internationale Schlagzeilen macht? Man wird unfreiwillig zur Expertin. Ich erhielt Gehör in der Zeitung, im Radio (und hier) und in einer Primarklasse in Illighausen (im tiefen Thurgau) – wobei ich bei letzterer am meisten nervös war. Ich habe die PrimarschülerInnen gefragt, was ihnen bei diesem Bild (Link) auffällt. Ich war erstaunt, wieviel man aus diesem Bild rauslesen kann:
  • Die zwei sind schwarz. Wobei der eine etwas weniger schwarz ist. (richtig – der eine hat einen weissen Vater).
  • Der eine Mann trägt keine Kleider. (richtig – es ist zu heiss.)
  • Die Schuhe sind schlecht oder nicht vorhanden. (richtig – Schuhe werden schnell abgetragen, da die Strassen schlecht und die Schuhqualität gering ist.)
  • Es laufen Hühner herum. (richtig – ein sehr alltägliches Bild.)
  • Es steht ein Auto hinten dran. (richtig – der hellere Mann ist etwas wohlhabender als der durchschnittliche Sierra Leoner.)
  • Es wachsen Palmen. (richtig – das Bild entstand an einem Strand.)
  • Die Menschen kochen draussen. (richtig – Kochen über dem Feuer draussen ist Normalzustand.)

Was ich eigentlich zeigen wollte mit diesem Bild: zwei Männer am kochen. Ein eher ungewöhnliches Bild, da dies sonst Frauenarbeit ist.

Ich freue mich unglaublich, bald selbst wieder in Sierra Leone zu sein!
VIELEN Dank an alle, die in den letzten Wochen mitgetragen, mitgefiebert, mitgelitten und mitgefreut haben – ihr habt mir mehr geholfen, als ihr denkt.
à toute & passt auf euch auf,
Noemi

PS: Meine Mitbewohnerin Haley, meine Freundin Theresa und ich (Bild) sind am entwickeln einer sozialen Geschäftsidee. Ideen und Pläne sind vorhanden, wir versuchen nun momentan unser Startkapital zusammenzukriegen. Dafür sammle ich ungebrauchte Mobiltelefone, Tablets und Notebooks (mit oder ohne Ladegerät). Mit dem Geschäft sollen Einnahmequellen geschaffen werden für junge Frauen, die als Sex- oder Arbeitssklavinnen missbraucht wurden und nun versuchen, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Mit zusätzlichen Gewinnen werden lokale Talente wie Ado (Fussballer) und Ish (Maler) unterstützt. PIC
Also – falls ihr noch ungebrauchte Geräte zuhause herumstehen habt: ab in die Post damit (Schramms, Schlossgasse 1, 8575 Bürglen TG) oder mir eine SMS schicken (0788081807), dann kann eine Abholung organisiert werden. Das ganze ICE ICE LADY (unser provisorischer Firmennamen) Team bedankt sich! 🙂

Unexpected-stories from the Lion Mountains

“Unerwartete-Geschichten von den Löwenbergen” – Geschichten-Email Nummer 10 von Freetown, Sierra Leone. Einfach kurz melden, falls du diese Geschichten lieber nicht mehr hören möchtest!
 “Unexpected-stories from the Lion Mountains” – story email number 10 from Freetown, Sierra Leone. Just drop me a line, if you’d rather not receive these emails anymore.

Hi, Hello, Kushe-o,
Seit einem Monat bin ich nun wieder in Freetown und ich geniesse es, zuhause zu sein. Meine Hühner wachsen, mein Garten produziert fleissig Salat, Radiesli und Bananen und meine Arbeitskollegen nennen mich Boss-Woman (“Chef-Frau”). Letzte Woche hat mein Arbeitskollege das ganze Team zum Essen eingeladen – und mein Team fand es ziemlich lustig, mit ihrer weissen Chefin aus dem gleichen Topf zu essen. Das Essen aus einem Topf mag ich sehr an der afrikanischen Kultur – man teilt, was man hat, mit allen, die gerade anwesend sind. Genauso teilen wir momentan Freud und Leid in Sachen Ebola, was es einiges erträglicher macht. Gefeiert wird immer noch, wenn auch etwas ruhiger! Das kann durchaus auch bedeuten, dass für Geburtstage im Büro nun der Campari schon am Morgen mitgebracht wird, da man sich am Abend nicht mehr gut treffen kann. Happy Mondays! 😉 Weiter unten noch mehr unerwartete Geschichten von den Löwenbergen.

Unexpected circumstances meant I was flown to Switzerland after my holidays in South Africa in August, against my wish. It took me some weeks to sort out new insurance coverage and persuade my sending organisation in the UK to let me go back to sweet Salone. I flew to Freetown four weeks ago and love being back. My chickens are growing (eggs to come soon – watch this space), my garden is lush and greenand my colleagues now call me boss-woman. Last week one of my colleagues invited our team for food over to his house and my team thought it was quite funny to eat out of one pot with their white boss woman 😉. Eating out of one pot is something I really like about the culture here: everything is shared with whoever is around. Joys and tears are shared the same way, especially now during Ebola times. This also means, that the Campari for a birthday celebration is already brought to the office in the mornings, as it is difficult to meet in the evenings now. Happy Mondays 😉! Here are some other unexpected stories from the Lion Mountains!

LEAKING BOBBI
I think I have told you in a previous email about my nut lady: she is an elderly lady that comes in everyday and tries to sell groundnuts (peanuts). She came in the other day and started telling me how her breast is leaking (“Me bobbi dae leak”) after I asked her how she is. I must have looked confused, because she then went on to proof it to me by taking off her clothes including bra and made me cross examine her breasts in my office. A typical Salone experience.

TROPFENDE BOBBI
In einem früheren Email habe ich von meiner Nussverkäuferin erzählt. Sie ist eine ältere Dame, die jeden Tag in meinem Büro vorbeikommt und versucht Erdnüsse zu verkaufen. Als ich sie – wie immer – fragte, wie es ihr geht, meinte sie “me bobbi dae leak” / meine Brust tropft. Ich habe sie wohl etwas verwirrt angesehen, da sie daraufhin es mir beweisen wollte und ihre Kleider inklusive BH auszog und mich ihre Brust untersuchen liess – in meinem Büro. Typisch Sierra Leone.

DATING IN TIMES OF EBOLA
Whenever you are entering a shop, official building, restaurant or hotel, your temperature is nowadays taken with one of these infrared thermometers to rule out Ebola cases. Not only does it look like somebody is shooting you into your head, there also is no action taken if the temperature is out of normal range. I have had people wishing me a nice day after measuring my temperature at 30.3 degrees, which would basically mean that I am dead or certainly unconscious. However, the same is true with high temperatures – what to do if somebody actually has a fever (if it is accurate)? This can be especially awkward if you are on a date, as happened to me the other night. I went on a dinner date with a guy to a restaurant and his temperature was recorded as 38.9 degrees. I’m sitting next to this guy in his car and freaking out – what to do now? I already hugged him! The security guy is not bothered at all, just comes and takes my temperature. I beg him to measure my friend again, which he does and records 37.9 degrees – a decline of one degree in just one minute. The security guy welcomes us to the restaurant and lets us go on with our date – and I am amazed about the uselessness of these temperature tests.

SCHWEIZER FONDUE
I went to say Hi to the new Minister of Health and Sanitation after I came back and to congratulate him on his new assignment. He was the deputy before and we always used to get along well. Anyway, I find him in his office and we chat a bit and then the following conversation happens:
Minister: “Do you still have my number”?”
Noemi: “Yes, minister.”
Minister: “Why are you not calling me more often? You never call me!”
Noemi [slightly confused]: “Aehhm… sorry. I will try to call more, Minister.”
Minister: “Please! And you never take me out for lunch.”
Noemi [by that point I was being seriously confused and also found it hard to not break out laughing]: “Oh – sorryo! I didn’t know you wanted this, Minister. I normally take my guys [the ones I supervise] for lunch.”
Minister: “I want to be one of your guys!”
He then went on and asked me whether I brought Swiss Fondue. I didn’t, but gave him a Swiss Army Knife with the message that 1) every real man has a pocket knife and 2) in Switzerland, we say that you can solve any problem with a Swiss Army Knife and I hope this accounts for Ebola as well. Needless to say that our relationship improved even more after this meeting! 😉

SWISS FONDUE
Nach meiner Rückkehr habe ich dem neuen Gesundheitsminister einen Besuch abgestattet, um ihm einerseits Hallo zu sagen und andererseits zu seiner Ernennung zu gratulieren. Er war vorher der Vizeminister und wurde vor zwei Monaten zum Minister ernannt. Wir haben uns schon immer gut verstanden und er ist ein ziemlich unkomplizierter Minister. Ich fand ihn in seinem Büro und nach dem üblichen Hallo fand die folgende Unterhaltung statt:
Minister: “Hast du meine Telefonnummer noch?”
Noemi: “Ja, Herr Minister.”
Minister: “Warum rufst du mich dann nicht öfters an? Du hast mich schon lange nicht mehr angerufen!”
Noemi (leicht verwirrt): “Aaeehm… sorry. Ich versuche, mich mehr zu melden, Herr Minister.”
Minister: “Ja, bitte! Und du hast mich noch nie zum Mittagessen eingeladen.”
Noemi [in einem Status von Verwirrung und kurz vor einem Lachanfall]: “Oh, entschuldigung! Ich wusste nicht, dass Sie das von mir erwarten, Herr Minister. Ich lade normalerweise meine Jungs [meine Angestellten] zum Mittagessen ein.”
Minister: “Ich möchte einer deiner Jungs sein!”
Er hat mich dann noch gefragt, ob ich Schweizer Fondue mitgebracht habe. Leider nein, aber ich habe ihm ein Schweizer Sackmesser gegeben, mit der Botschaft, dass 1) jeder echte Mann ein Taschenmesser hat und 2) in der Schweiz gesagt wird, du kannst alle Probleme lösen mit einem Sackmesser und ich hoffe, das gilt hier auch für Ebola.
Es sind Begegnungen wie diese, die das Leben lebenswert machen! 😊

MUSU UND MUSU
Meine Nachbarin hat Zwillinge, die sie Musu und Musu getauft hat (ja – Verwirrung pur). Ich spiele regelmässig mit ihnen und habe normalerweise ziemlich viel zu lachen. Letzte Woche jedoch lief ich zu ihnen hinüber und da begannen beide zu schreien in Panik und rannten weinend zu Mama, meine weisse Haut hat sie derart verängstigt. Alle lachten ausser mir – ich fühlte mich elends! Hat mich an meine Primarschulzeit erinnert und ein Spiel, das wir immer spielten: “Wer het Angst vor em schwarze Ma?” Meine Version: “Wer het Angst vor de wiisse Frau?”

Liebe Leute, die internationalen Medien zeigen nur 10% von Sierra Leone – und die restlichen 90% sind herzerwärmend. Lasst euch nicht ein düsteres Bild von Sweet Salone in den Kopf setzen! Die Lage ist ernst, aber wir lassen uns nicht unterkriegen!
My dears, international media are only showing about 10% of Sierra Leone – and the remaining 90% are mostly awesome. Don’t let yourself be convicted by the pictures you see. The situation is serious, but we are fighting! Mama Salone will rise again.

Take care,
Noemi

PS: Falls ihr meine Stimme hören wollt – siehe hier.
PPS: I will be in the UK from 1-6 January and hope to see all of you, my English, Welsh, Irish, Scottish and generally British friends!
PPPS: Update on my social business next time! Alle gespendeten Telefone haben glückliche Besitzer gefunden 😊

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